prezentation

Präsentationsdesign und Vortrag

Planung einer Präsentation – Fragen

Aus gegebenem Anlass: Wenn wir gebeten (oder gedrängt) werden, eine Präsentation zu halten, sollten wir uns einige Fragen stellen, so dass wir uns optimal darauf vorbereiten können.

In diesem Artikel schreibe ich, welche Fragen ich mir oder meinem Auftraggeber in einer solchen Situation stelle. Häufig ergeben sich weitere Fragen auf Basis der Antworten. Diese Fragen sind aber ein guter Ausgangspunkt:

  • Was ist das Thema?
  • Wie viel Zeit habe ich für den Vortrag?
  • Wer ist das Publikum?
  • Was ist das Ziel?
  • Wie steht die Zielgruppe zu Thema und Ziel?
  • Wo findet der Vortrag statt?

Was ist das Thema der Präsentation?

Die Frage ist offensichtlich. Die Antwort häufig nicht. Wenn unser Kunde uns sagt «Präsentieren Sie doch bitte am kommenden Dienstag mal das Projekt.» kann das so vieles heissen … soll ich den Status des Projektes vor Budgetverantwortlichen vorstellen, die Projektidee gegenüber Mitarbeitern des Kunden oder das geplante Ergebnis gegenüber Endanwendern?

Erst wenn die Frage nach dem Thema im Detail geklärt ist, kann ich mich gut auf die Präsentation vorbereiten oder auch sagen, dass ich nicht die richtige Person dafür bin.

Wie viel Zeit habe ich für den Vortrag?

Es ist sehr unangenehm, mit einer halbstündigen Präsentation anzukommen und dann nur 10 Minuten Zeit zu haben. Andersrum ist es besser, aber auch nicht wirklich gut. Generell sollten wir nur rund zwei Drittel der Zeit für eine Präsentation /einen Vortrag nutzen, um dem Publikum Möglichkeiten für Fragen zu lassen (oder für eine kurze Kaffeepause). Die vorgegebene Zeit zu überziehen ist unhöflich gegenüber den Teilnehmern und potentiell nachfolgenden Vortragenden.

Wer ist die Zielgruppe?

Ja: Die Präsentation sollte für jede Zielgruppe anders sein, da die Interessen und das Grundwissen jeder Zielgruppe anders sind. Wenn ich einen Vortrag über Astrophysik halte, sollte dieser sehr unterschiedlich sein, je nachdem, ob ich die Mitarbeiter der Astrophysik einer Universität, interessierte Erwachsene oder eine Grundschulklasse vor mir habe. Das ist offensichtlich.

Wenn ich jetzt aber bei obigem Beispiel bleibe: Stelle ich die Budget- und Terminsituation eines Projektes dar, muss ich auch hier nach Zielgruppen unterscheiden:

  • Projektmitarbeiter werden sich mehr für die internen Auswirkungen interessieren, wie zum Beispiel Mehrarbeit, um einen zwingenden Zieltermin zu erreichen.
  • Die Budgetverantwortlichen interessieren sich auch für die Mehrarbeit, aber weniger dafür, wer was machen muss, und mehr dafür, welche kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen das auf’s Budget hat.
  • Die Anwender interessieren sich weder für das eine, noch für das andere. Müssen aber aus Termin- oder Budgetgründen Funktionalitäten gestrichen oder verschoben werden, interessiert sie das in der Regel sehr.

Was ist das Ziel?

Soll ich meine Zuhörer über die aktuelle Situation informieren oder will ich sie von einem neuen Vorgehen überzeugen? Oder brauche ich sogar Ihre Ideen und Unterstützung, um ein Ziel zu erreichen?

Die Informationen und Daten, die dem Ganzen zugrundeliegen, werden in allen Fällen gleich sein. Die Aufbereitung aber sehr unterschiedlich.

Wie steht die Zielgruppe zu Thema und Ziel?

Stehe ich vor Budgetverantwortlichen, die zufrieden sind und keinen Spardruck der Organisation spüren? Oder haben sie das Gefühl, sowieso schon viel zu viel für viel zu wenig ausgegeben zu haben (und haben eine Geschäftsleitung im Nacken, die sparen will … koste es, was es wolle).

Im zweiten Fall muss ich mein Augenmerk mehr darauf richten, was erreicht wurde. Ich muss die Kritikpunkte aufgreifen (und idealerweise entkräften können)

Wo findet der Vortrag statt?

Habe ich dort einen Beamer? Habe ich ein Whiteboard (und funktionierende Stifte)? Habe ich ein Flipchart (und auch funktionierende Stifte)? Sitzen zehn Leute in einem Raum für acht oder 80? Wenn es ein grosser Raum ist: Habe ich ein Mikrofon? Es gibt nichts verstörenderes als mit einem kleinen Raum im Kopf zu erscheinen um dann ein Auditorium vorzufinden.

Und dann die generelle Frage

Wenn wir rausgefunden haben, dass wir eine Zielgruppe über den aktuellen Stand informieren sollen und diese denselben Informationsstand hat, wie wir, und auch noch voll und ganz unserer Meinung ist: Was soll das? Kann man die Zeit nicht sinnvoller nutzen? Ein anderes Thema angehen, gemeinsam einen Kaffee trinken oder das Ganze absagen?

Neues Design

Seit Jahren ist hier nichts mehr passiert. Trotzdem landen immer wieder Besucher auf diesem Blog. Also habe ich beschlossen, mal das nötigste zu machen. Mit Hilfe von Irene Thali von der FremdeFeder GmbH aus Interlaken, haben wir die Seite auf ein modernes und responsive Theme umgestellt (Ark) und ich bin schon sehr zufrieden.

Aber jetzt muss der ganze Inhalt mal durchgestrählt werden, um die ganzen Hacks aus dem sieben Jahre alten (selbstgestrickten) Theme wieder gradezuziehen. Und dann werde ich auch mal wieder was neues Schreiben.

Ich wollte die Seite nur gleich wieder aktiv haben, damit die Leute, die mit Ihrem Logitech Presenter und dem Mac ein Problem haben, den passenden Blogbeitrag finden. Also sorry für die vielen kleinen Unschönheiten. In 1-2 Wochen sollte es wieder so aussehen, wie ich mir das vorstelle.

Logitech Presenter R400, R700 und R800 mit Keynote

Leider funktioniert das hier beschriebene Tool Karabiner noch nicht unter Mac OS X 10.12 Sierra. Hier gibt es eine Beschreibung, wie dieses Problem mit dem (kostenpflichtigen / 36$) Tool «Keyboard Maestro» gelöst werden kann. Ich werde hier updaten, sobald Karabiner bereit für Mac OS X 10.12 Sierra ist, da diese Lösung eleganter ist (kein Ein-/Ausschalten der Übersetzungen, da sie nur auf den Presenter wirken).

«Benutzt eine Fernbedienung für Präsentationen.
Keine Ausreden, muss man haben.»

– Garr Reynolds (@presentationzen) in Remote simplicity

Logitech Professional Presenter R800Entsprechend diesem Motto benutze ich seit langer Zeit eine Fernbedienung (Presentation Remote) bei Präsentationen. Ich empfehle das meinen Freunden, Kunden und wildfremden Leuten, die ich auf der Strasse sehe (ok, überwiegend Freunden und Kunden). Ich lebe in der Schweiz und die Firma Logitech (in Japan heisst die Marke übrigens Logicool) stammt aus der Schweiz. Sie haben ein sehr gutes Design und vor allem produzieren sie sehr wertige Geräte. Die Dinger sind robust und liegen gut in der Hand.

Seit einigen Jahren besitze ich den Logitech Wireless Presenter R400. Und etwas weniger lang den R800, den es jetzt schon nicht mehr gibt. Seit 2014 besitze ich nun auch den R700. Der Grund dafür ist, dass ich nicht immer alles sofort finde, was ich in meinem Büro suche (speziell wenn es sich in meiner Arbeitstasche befindet, aber das ist ein anderes Thema). Wer vor einer Kaufentscheidung steht und eine Empfehlung braucht: Kauft den R400. Der R700 hat einen grünen statt eines roten Laserpointers und einen integrierten Timer, den ich nie brauche, und kostet das doppelte. Aber ich kann beide Geräte uneingeschränkt empfehlen.

Und hier kommen wir zum Thema Logitech Wireless Presenter am Mac und genauer: Mit Keynote. Logitech unterstützt bei beiden Geräten offiziell nur Windows. In diversen Foren konnte man aber lesen, dass es generell schon geht. Und das kann ich auch bestätigen. Bei PowerPoint für Mac kann man mit den Tasten der Fernbedienung die Präsentation starten, vor und zurück gehen und den Bildschirm ausschalten. Aber: Bei Keynote geht nur das vor und zurück. Sowohl das Starten der Präsentation als auch das ausschalten der Bildschirms gehen nicht.

Das Starten der Präsentation ist auch vom Mac aus möglich. Aber grade wenn in der Präsentation ein Thema diskutiert wird und man die aktuelle Folie ausblenden will um keine Ablenkung zu haben, ist es störend, erst mal wieder zum Rechner laufen zu müssen.

Um die Fernbedienung mit Keynote verwenden zu können (in vollem Umfang), habe ich bisher einen riesigen Workaround bauen müssen – selbst für mein Empfinden als Wirtschaftsinformatiker zu viel Aufwand und zu wenig elegant.

Was ist denn das Problem?

Der Wireless Presenter ist aus Sicht eines Computers nur eine Tastatur mit vier Tasten. Da PowerPoint wesentlich grössere Marktanteile hat, orientiert sich die Standardtastaturbelegung eben daran:

  • — Rechts / Weiter: Page Down
  • — Links / Zurück: Page Up
  • — Starten: Abwechselnd F5 zum starten und ESC zum stoppen
  • — Ausblenden: Punkt

Jetzt funktionieren «weiter» und «zurück» einwandfrei mit Keynote von Apple. Zum Starten der Präsentation wird allerdings die Tastenkombination alt-cmd-p verwendet und zum Aus- und Einblenden der aktuellen Folie «b».

Und was ist die Lösung?

Am vergangenen Wochenende habe ich nun die Software Karabiner von Takayama Fumihiko entdeckt. Diese Software ermöglicht es, eine Tastaturbelegung zu verändern – und zwar sehr präzise: Ich kann festlegen, dass ausschliesslich bei der Tastatur «Logitech Presenter» in der Applikation «Keynote» F5 durch die Tastaturkombination alt-cmd-p und der Punkt («.») durch ein b ersetzt wird. Damit verhält sich die Fernbedienung genau so, wie sie es soll und ich kann sie am Mac mit PowerPoint und Keynote verwenden, ohne irgendetwas umstellen zu müssen.

Der Nachteil ist, dass man eine – für nicht-Informatiker – halbwegs komplexe Konfiguration ausführen muss. Aber das ist nicht so schlimm.

Wie geht das?

Zunächst müsst Ihr Karabiner von Takayama Fumihiko hier herunterladen (und wenn das Ganze bei Euch funktioniert, spendet ihm doch per Paypal oder Kreditkarte eine Kleinigkeit – und zwar hier). Dort ist auch (auf Englisch) beschrieben, wie Ihr es installieren könnt. Insbesondere ab Mac OS X 10.8 Mountain Lion muss man eine Kleinigkeit beachten, damit die Installation klappt.

Einstellungen KarabinerDann startet Ihr Karabiner. In den Einstellungen wählt Ihr «Misc & Uninstall» aus und klickt auf «Open private.xml». Dabei öffnet sich der Finder und zeigt die Datei private.xml an. Diese könnt Ihr mit einem Texteditor öffnen und editieren. Oder Ihr ladet einfach meine private.xml runter (bitte unbedingt mit »Speichern unter«, da Euer Browser möglicherweise teile der Datei nicht anzeigt) und ersetzt die bestehende damit.

Einstellungen Karabiner (Change Key)Und wenn Ihr das gemacht habt, müsst Ihr nur noch auf dem Tab ganz links in den Einstellungen für Karabiner («Change Key») den Knopf «ReloadXML» drücken und danach in der Liste «Logitech Presenter with Keynote» selektieren und die Karabiner schliessen.

Ab diesem Zeitpunkt verhält sich Euer Logitech Wireless Presenter (egal ob R400, R700 oder der alte R800) unter Keynote genau so, wie Ihr es erwarten würdet. Ich bin auf jeden Fall ziemlich dankbar für diese elegante Lösung (und habe dementsprechend auch für Karabiner gespendet).

Und wenn es nicht geht?

Da es inzwischen schon zwei Kommentare gibt, weil die USB-ID des Presenters anders war: Möglicherweise hat Logitech bei neueren Geräten den Empfänger (das kleine Ding für in den USB-Port) geändert. Das hat dann potentiell eine neue USB-ID zur Folge. Das Problem lässt sich aber beheben: Wie Christian Mais in seinem Kommentar schrieb: Der Mac verrät es uns.

Geht auf Apfel () – Über diesen Mac – Weitere Informationen … – Systembericht. Dann wählt Ihr links USB aus und irgendwo auf der rechten Seite findet Ihr den Empfänger und könnt euch dessen Produkt-ID kopieren.

Jetzt nur noch das oben genannte XML öffnen und den Wert zwischen <productid> und </productid> mit dem kopierten Wert ersetzen. Dann sollte es klappen.

Nützliche und hilfreiche Kommentare zu dem Thema findet Ihr auch unter meinem alten Blogeintrag zu diesem Thema: Logitech Presenter R400 und R800 mit Keynote

das Sketchnote HANDBUCH von Mike Rohde

dasSketchnoteHANDBUCHHeute will ich mich ganz bewusst ins Publikum begeben. Schliesslich sitze ich selbst oft genug in Präsentationen und will etwas lernen.

Dabei frage ich mich immer wieder, wie ich denn die wichtigen Dinge behalten kann. Natürlich versuche ich, konzentriert zuzuhören und mitzuschreiben. Dennoch sind die Ergebnisse für mich meist schlechter als ich es mir wünschen würde.

Grade als Präsentationscoach würde es jetzt leicht fallen, die Schuld in den Unzulänglichkeiten der Präsentation zu suchen: Kein roter Faden, keine Konzentration auf’s Wesentliche, keine publikumsgerechte Aufbereitung, schlechte Folien oder schlechter Vortrag?

Es ist aber nunmal so, dass ich eine Verbesserung nur dann wirklich im Griff habe, wenn ich bereit bin, bei mir selbst mit Änderungen zu beginnen. Das heisst dann auch, dass ich mein Verbesserungspotential als Zuhörer suchen und ausschöpfen muss.

Das Buch hilft

Und da kommen dann (endlich) Mike Rohde (@rohdesign / rohdesign) und Das Sketchnote Handbuch ins Spiel.

Die Idee hinter Sketchnotes ist eigentlich relativ einfach: Statt so viel wie möglich mitzuschreiben, identifiziert man das Wesentliche und arbeitet es dann gut aus (mit ein bisschen Typographie, einfachen Zeichnungen und wenig Text).

Natürlich habe ich im ersten Moment empört aufgeschrien: «Aber ich bin doch grafisch so begabt wie ein durchschnittlicher Otter.» (Ich möchte mich hiermit in aller Form bei allen durchschnittlichen Ottern entschuldigen, die sich durch diesen Vergleich – zu Recht – beleidigt fühlen.) Meine Zeichnungen sind wirklich keine Kunstwerke – echt jetzt. Allerdings tendieren sie manchmal unfreiwillig zu abstrakter Kunst.

Mike hat mir mit seinem Buch zum einen geholfen, meine mangelhaften Fertigkeiten zu akzeptieren (auch wenn eine Zeichnung nicht perfekt ist, kann man sie doch meistens erkennen). Zum anderen gibt er mir Werkzeuge und Übungen an die Hand, mit denen ich besser werden kann.

Ich fürchte immer noch, dass meine Karriere als Comiczeichner vor einem abrupten Ende steht, bevor ich überhaupt begonnen habe. Das Buch hilft mir jedoch dabei, stetig besser zu werden:

  • – Ich schreibe wieder mehr von Hand und meine Handschrift wir ansehnlicher.
  • – Ich versehe inzwischen (fast) alle Notizen mit kleinen Zeichnungen – sogar Post-Its im Kühlschrank.

Die Zeichnungen werden immer besser und dank der Ideen und Übungen aus dem Buch entwickle ich so langsam einen eigenen und für mich akzeptablen Stil.

Auch Textentwürfe sehen bei mir jetzt wesentlich grafischer aus. Sie sind genau das Werkzeug um meine Gedanken zu strukturieren, bevor ich mit einem Text beginne.

Was hat sich für mich durch das Buch verändert?

Ganz kurz könnte man es mit «sehr viel» zusammenfassen, etwas länger gibt es für mich drei Kernpunkte, die sich geändert haben:

  • – Statt mich von einem Vortrag, einer Präsentation berieseln zu lassen, höre ich aktiv zu, identifizieren das für mich Wesentliche und erzeuge damit eine Struktur, die mir die Essenz des Vortrags verewigt.
  • – Einerseits kann ich mir so von vornherein mehr Wesentliches merken und andererseits habe ich jetzt Notizen, auf die ich auch gerne wieder zurückgreife. Sie sind entsprechend meinem Denken strukturiert und sehen auch noch gut aus.
  • – Meine Zeichnungen sind generell viel besser geworden, was mir auch am Flipchart oder Whiteboard zusätzliche Sicherheit gibt.

Was ist also mit dem Buch?

Ich empfehle dieses Buch jedem, der regelmässig Notizen macht, sich verbessern will und auch bereit ist, dafür etwas zu tun. Und nein, man benötigt keinerlei zeichnerische Begabung. Ich habe nicht die geringste und dennoch bin ich mit dem Buch einen riesigen Schritt weiter gekommen. Es hat mir mal wieder gezeigt, dass Übung den Meister macht (und in meinem Fall dem unbedarften Anfänger auf die Sprünge hilft).

Das Buch ist wichtig für all jene, die die Welt der Präsentationen auch von der anderen Seite (aus dem Publikum) verbessern wollen. Netter Seiteneffekt für mich ist, dass es auch einfacher geworden ist, aus meinen eigenen Ideen und denen meiner Kunden das Wesentliche herauszuarbeiten.

Disclaimer: Dieses Review entstand bei einer Flasche guten Weissweins von der Loire (Clos de Mosny aus Montlouis) auf der Terrasse des Château de Pray, ebenfalls an der Loire.

Ich habe Mikes Buch und seine Video-Tutorials zum Sketchnoting bereits im Dezember 2013 gekauft (über seine Buchseite auf rohdesign) und angefangen, damit zu arbeiten. Nach einem kurzen Austausch auf Twitter hat Mike mir die deutsche Version des Buches für das Review zur Verfügung gestellt. Auch wenn das Review auf der englischen Version basiert, kann ich die deutsche genauso empfehlen.

TEDxBern – I han es Zündhölzli azündt

TEDxBern – I han es Zündhölzli anzündtGestern Abend wurde mir die grosse Ehre zuteil, an der ersten TEDxBern teilnehmen zu dürfen. Die Organisatoren haben ins Swisscom Brain Gym in der Nähe des Bahnhofs Bern eingeladen und rund 120 (meine Schätzung) glückliche Gäste durften teilnehmen.

Mein Fazit: Ich kann allen nur empfehlen, im kommenden Jahr vor dem Internet zu zelten, so dass sie bei Öffnung der Anmeldung die ersten in der Schlange sind. Ich werde es auf jeden Fall so – oder so ähnlich – machen.

Die erste TEDxBern war eine gelungene, gut organisierte Veranstaltung mit tollen Vorträgen und vielen grandiosen Menschen.

Und für mich faszinierend: Viele Vorträge waren in Mundart und wurden simultan ins Englische übersetzt. Ich finde, dass das den Vortragenden noch eine Extra-Portion Authentizität verliehen hat. Super Idee und Gratulation zum Mut, das so zu machen.

Die Organisation

Es war ja der erste TEDx Event, der in Bern organisiert wurde. Dementsprechend waren meine Erwartungen nicht hoch. Ich habe gedacht, dass ein bisschen improvisiert werden müsse, dass es Pannen gäbe und sich das Ganze erst «einschleifen» müsse.

Ha, weit gefehlt: Christian Hirsig (Twitter: @christianhirsig), Alex Phillips (Twitter: @alexlefty), Markus Maurer (Twitter: @kusito), Bastian Widmer (Twitter: @dasrecht), Matthias Stürmer (Twitter: @maemst) und Christina Taylor haben einen sehr professionellen Job gemacht. Alles hat funktioniert und lief reibungslos ab. Vielen Dank an die grossartige Organisation.

Andrea Jansen hat sehr professionell und authentisch humorvoll durch’s Programm geführt.

Und die Vorträge?

Alle «Speaker» hatten etwas zu sagen. Sie hatten eine Geschichte, ein Anliegen, eine Idee. Die Qualität der Vorträge (beziehungsweise Visuals/Zeichnungen) war überdurchschnittlich gut. Es gab ein paar Kleinigkeiten in einigen Vorträgen, die man mit wenig Aufwand verbessern könnte.

Insbesondere das Ablesen eines gesamten Vortrages kommt (zumindest bei mir) immer schlecht an. Dass das Leute machen, die ihr Thema mit Herz und Verstand beherrschen, ist schade.

(Das gilt natürlich nicht für die Lesung eines Kapitels aus einem Buch. Da ist das Vorlesen ja der Kernpunkt des Vortrages.)

Es wäre schön, wenn wir im kommenden Jahr den Rednern ein kleines TEDx-Präsentationscoaching zur Unterstützung anbieten könnten. Ich würde die Organisatoren sehr gerne (gratis) dabei unterstützen.

Das Line-Up

Angefangen haben BlackYard, ein Team von Grafikern/Illustratoren, das uns ein grafisches Brainstorming vorgestellt hat. Es hatte was von Guerilla-Illustrieren.

Sie haben auf der Bühne mit vier Flipcharts eine Technik demonstriert, mit der sie Ideen entwickeln: Jeder startet eine Zeichnung zum Thema und nach einiger Zeit wird gewechselt. Der nächste arbeitet weiter an der Zeichnung bis zum nächsten Wechsel, und so weiter. So entstanden vor unseren Augen vier sehr unterschiedliche, aber irgendwie «runde» Zeichnungen. Eine spannende und offensichtlich für Zuschauer und Zeichner spassige Form kreativer Kollaboration.

Anschliessend hat Ben Hüter von der Schule für Gestaltung Bern und Biel über Bildungskonzepte gesprochen, die über das blosse Vermitteln von Wissen hinaus gehen. Wie das bei mir nun mal so ist, fasziniert mich alles, was mit Bildung zu tun hat – und neue Wege aufzeigt.

Vor der «Zuschaltung» eines Original-TED-Vortrages von Kirby Ferguson («Embracing the Remix»), hat uns die Berner Beatboxerin Steff la Cheffe unterhalten und einen Crashkurs Beatboxing verpasst. Wie bereits bei einem Firmenevent vor einem Jahr war ich fasziniert davon, wie sie das Publikum (und auch mich) begeistern und motivieren kann.

Nach der «Zuschaltung» sprach Dr. Elham Manea von der Universität Zürich über Parallelgesellschaften und in wie weit sie ein Problem oder eben auch keins darstellen.

Dann hatten wir 1 ½ Stunden Zeit um ein bisschen zu Networken und ein bisschen zu essen und zu trinken. Das Catering war perfekt.

Nach der Pause überraschte mich Renato Kaiser mit der Lesung aus seinem Buch «Uufpassä, nöd aapassä» (Aufpassen, nicht Anpassen). Die Ostschweizer in Bern haben ähnliche Probleme wie wir Deutsche in der Schweiz (oder machen sich ähnliche Probleme, weil sie nicht auffallen wollen). Die Lesung war wirklich witzig und lässt darauf hoffen, dass das Buch spitze wird. Dementsprechend habe ich mich auch gleich am Crowdfunding bei 100 Days beteiligt. Sicher eine lohnende Investition.

Danach sprach Dr. Sarah Joan Moran von der Universität Bern darüber, wie sich visuelle und textuelle Kommunikation mit den digitalen Medien verändern und welche neue Bedeutung sie bekommen.

Dann hat uns Remo Läng mit seinem Vortrag über die Alpenüberquerung mit einem Wingsuit unterhalten. Sehr visuell, sehr authentisch und mitreissend.

Vor der zweiten «Zuschaltung» (Margaret Heffernan «Dare to Disagree») sprach dann noch Thomas «Thömu» Bingeli über seine Erfolgsgeschichte mit Thömus Velo Shop, dem Stromer und zuletzt BMC. Auch sein Vortrag war sehr unterhaltsam. Ich werde das Bild der Oberrieder Bauern, die mit baggy Jeans von Homeboy auf dem Feld arbeiten, wahrscheinlich nie wieder los.

Nach der «Zuschaltung» haben dann Roman Tschäppeler & Mikael Krogerus die Welt in drei Strichen erklärt. Ihr Vortrag war für mich ein humorvoller Denkanstoss zu einfachen und effizienten Visualisierungen und sicherlich ein Highlight. Ihr Buch «Die Welt erklärt in drei Strichen: Das kleine Buch der grossen Veränderungen» habe ich mir dann auch gleich bestellt.

Das Rahmenprogramm

In den Pausen und nach der Veranstaltung konnten wir «socializen» und uns mit den Sprecherinnen und Sprechern unterhalten. Remo Läng hat mich wieder motiviert, das Paragliding anzugehen. Mit Mikael Krogerus habe ich über Möglichkeiten für einen Event bei uns gesprochen und mit Renato Kaiser habe ich die Gemeinsamkeiten im Schicksal der Ostschweizer und Deutschen in Bern gefeiert.

Sobald die Vorträge auf TED.com verfügbar sind, werde ich sehr gerne die Links nachliefern. Es lohnt sich!
Leider haben es die Vorträge nicht bis auf TED.com geschafft. Zum Glück gibt es sie aber auf YouTube.

Boris Bäsler

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