prezentation

Präsentationsdesign und Vortrag

Ein Plädoyer für Handouts

Handout«Wofür brauche ich denn ein Handout? Auf den Folien steht doch alles Wichtige.» Das höre ich doch relativ häufig und wenn ich es nicht höre, sehe ich es doch meist. Selbst diejenigen, die sich intensiv auf ihre Präsentation vorbereiten, sehen oft keinen Sinn darin, zusätzlich ein Handout zu erstellen.

Ich bin da ganz anderer Meinung: Oft ist es das Handout, das es uns erst ermöglicht, eine wirklich gute Präsentation zu gestalten. Wir können uns auf die Kernaussage und unsere wichtigsten Argumente konzentrieren und haben dennoch Hintergrundinformationen und weitere Details im Handout. So bleiben wir im Vortrag kurz und prägnant. Diejenigen, die weitere Details wollen, können fragen. Und damit wird aus einem passiven Publikum, dessen Köpfe mit Informationen gefüllt werden, interessierte und aktive Teilnehmer, die sich Informationen abholen. Wissen, das ich mir aktiv hole, bleibt viel besser im Gedächtnis, als etwas, das mir erzählt wird.

Der Nachteil dieses Vorgehens ist natürlich der, dass das Gesagte für die Teilnehmer interessant genug sein muss, damit diese weitere Informationen wollen.

Was ist das Handout nicht?

Das Handout ist definitiv nicht ein Ausdruck der Folien – naja, oft ist es das, aber das ist nicht sinnvoll. Wenn ein Ausdruck der Folien reichen würde um alles Wichtige zu begreifen, warum sollte sich noch jemand hinstellen und zu den Folien irgend etwas sagen? Wenn ich alle Details auf die Folien packe, warum sollte noch jemand Fragen stellen? Und vor allem: Wenn zu viele Details auf den Folien stehen, wie sollen diese lesbar/erkennbar bleiben?

Das Handout ist auch nicht ein Foliensatz ergänzt um mein «Redeskript». In meinem Fall wäre das schon unmöglich, weil ich kein Skript habe. Ich habe einen roten Faden und das war’s. Aber auch sonst würde es bedeuten, dass der Foliensatz und das von mir Gesagte alle (Hintergrund-) Informationen beinhalten müssten. Und so kann man sich nicht kurz fassen.

Was ist das Handout?

Zunächst mal ist das Handout eine andere Version unserer Präsentation, zeigt also die Kernaussage und alle vorgebrachten Argumente. Das Handout ist aber insbesondere der Ort, an dem wir all die wichtigen und interessanten Details parken, die für unser aktuelles Publikum und die aktuelle Situation nicht wichtig oder interessant genug sind. Das ermöglicht es uns, die Präsentation kurz und relevant zu halten. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernaussage, die wichtigsten Argumente und müssen dennoch nicht auf all die anderen Argumente und Informationen verzichten.

Wenn wir zum Beispiel unser Produkt einem Kunden vorstellen: Brauchen wir wirklich sieben Folien, die die wichtigsten 35 Funktionen des Produktes aufzählen? Sagen wir dem Publikum doch lieber, dass es 200 Funktionen hat und investieren drei oder fünf Folien, um die für diesen Kunden besonders relevanten drei bis fünf Funktionen zu erläutern. Die Liste aller Funktionen (vielleicht sogar mit Beschreibung) landet in einem Handout. Und wenn wir diese fünf Funktionen vorgestellt haben, fragen die Teilnehmer vielleicht nach weiteren Funktionen. Wenn wir diese dann erläutern, haben wir den Kunden erfolgreich als aktiven Partner einbezogen.

Wenn wir unser Unternehmen vorstellen (einem Investor, einem Partner oder einem Kunden), brauchen wir wirklich Folien, die unsere 60 Kunden aufzählen? Konzentrieren wir uns doch lieber auf drei Kunden, die für unseren Zuhörer relevant sind und bringen die Gesamtliste im Handout unter. Statt viele aufzuzählen, konzentrieren wir uns besser auf wenige relevante. Für einen Kunden kann zum Beispiel eine Case-Study interessant sein: «Bei XY standen wir vor einem ähnlichen Problem, das wir gemeinsam wie folgt lösen konnten: …»

Schlechtes Beispiel für eine Folie zum ÜbergewichtWenn wir zeigen wollen, wo die Schweiz im Bezug auf krankhaftes Übergewicht im internationalen Vergleich steht: Müssen wir eine Tabelle mit den Werten der 34 Nationen aus der Studie der OECD an die Wand werfen? Diese zu lesen, sich zu orientieren und sie zu interpretieren ist fast unmöglich. Stellen wir stattdessen 34 Balken der Nationen dar und markieren die Schweiz, wird es schon besser. Besseres Beispiel für eine Folie zum ÜbergewichtAber wir können uns auch auf sieben Nationen beschränken und die Schweiz so platzieren, dass der Platz im Gesamtvergleich klar ist (mit die niedrigsten Werte). So können wir Länder wählen, zu denen das Publikum einen Bezug hat, die Grafik ist übersichtlich und leicht zu erfassen. Und wenn jemand wissen will, wie Neuseeland steht? Dann findet er das im Handout.

Je nach Situation kann das Handout auch eine Produktbroschüre oder eine Imagebroschüre des Unternehmens sein. Bei meinen Präsentationsworkshops ist das Handout ein Buch von Garr Reynolds («Zen oder die Kunst der Präsentation», siehe Buchempfehlungen rechts).

Ein Handout kann aufgrund des Detaillierungsgrades für mehrere Veranstaltungen verwendet werden. Es ist nicht ganz so wichtig, dieses Individuell auf Publikum und Situation anzupassen. Eine Präsentation (im Sinne von Prioritäten der Inhalte und Ablauf) muss immer angepasst sein um optimal zu «funktionieren».

Und was bringt es uns?

Das Handout hilft uns einerseits, Hintergründe und Details weiterzugeben ohne im Vortrag zu überziehen oder zu überfordern. Andererseits hilft es uns ganz persönlich, weil wir in der Vorbereitung die weniger wichtigen Dinge nicht löschen sondern nur verschieben. Wir müssen also keine unserer hervorragenden Ideen und Leistungen aufgeben – stattdessen priorisieren wir.

Die Konzentration auf das Wesentliche ist eines der Hauptkriterien für eine erfolgreiche Präsentation. Wie Garr Reynolds (Twitter: @presentationzen) mal sehr schön sagte: «Be brief, people are busy.» (Fasse Dich kurz, die Leute haben zu tun.) Wenn ich 20 Minuten Zeit habe, plane ich maximal 15 Minuten (eher zwölf) Vortrag, die restliche Zeit ist für Fragen und Diskussionen. Und wenn es davon wenig gibt: Es wird sich keiner beschweren, wenn ich früher als geplant fertig bin.

Logitech Presenter R400 und R800 mit Keynote

Da der Logitech Presenter R800 inzwischen durch den R700 ersetzt wurde und KeyRemap4MacBook jetzt Karabiner heisst, habe ich mich entschlossen, den Artikel zu überarbeiten. Hier ist der Link zur überarbeiteten Version: Logitech Presenter R400, R700 und R800 mit Keynote

«Benutzt eine Fernbedienung für Präsentationen.
Keine Ausreden, muss man haben.»

– Garr Reynolds (@presentationzen) in Remote simplicity

Logitech Professional Presenter R800Entsprechend diesem Motto benutze ich seit langer Zeit eine Fernbedienung (Presentation Remote) bei Präsentationen. Ich empfehle das meinen Freunden, Kunden und wildfremden Leuten, die ich auf der Strasse sehe (ok, überwiegend Freunden und Kunden). Ich lebe in der Schweiz und die Firma Logitech (in Japan heisst die Marke übrigens Logicool) stammt aus der Schweiz. Sie haben ein sehr gutes Design und vor allem produzieren sie sehr wertige Geräte. Die Dinger sind robust und liegen gut in der Hand.

Seit einigen Jahren besitze ich den Logitech Wireless Presenter R400. Und etwas weniger lang den R800. Der Grund dafür ist, dass ich meinen R400 verloren glaubte. Wer vor einer Kaufentscheidung steht und eine Empfehlung braucht: Kauft den R400. Der R800 hat einen grünen statt eines roten Laserpointers und einen integrierten Timer, den ich nie brauche, und kostet das doppelte. Aber ich kann beide Geräte uneingeschränkt empfehlen.

Und hier kommen wir zum Thema Logitech Wireless Presenter am Mac und genauer: Mit Keynote. Logitech unterstützt bei beiden Geräten offiziell nur Windows. In diversen Foren konnte man aber lesen, dass es generell schon geht. Und das kann ich auch bestätigen. Bei PowerPoint für Mac kann man mit den Tasten der Fernbedienung die Präsentation starten, vor und zurück gehen und den Bildschirm ausschalten. Aber: Bei Keynote geht nur das vor und zurück. Sowohl das Starten der Präsentation als auch das ausschalten der Bildschirms gehen nicht.

Das Starten der Präsentation ist auch vom Mac aus möglich. Aber grade wenn in der Präsentation ein Thema diskutiert wird und man die aktuelle Folie ausblenden will um keine Ablenkung zu haben, ist es störend erst mal wieder zum Rechner laufen zu müssen.

Um die Fernbedienung mit Keynote verwenden zu können (in vollem Umfang), habe ich bisher einen riesigen Workaround bauen müssen – selbst für mein Empfinden als Wirtschaftsinformatiker zu viel Aufwand und zu wenig elegant.

Was ist denn das Problem?

Der Wireless Presenter ist aus Sicht eines Computers nur eine Tastatur mit vier Tasten. Da PowerPoint wesentlich grössere Marktanteile hat, orientiert sich die Standardtastaturbelegung eben daran:

  • — Rechts / Weiter: Page Down
  • — Links / Zurück: Page Up
  • — Starten: Abwechselnd F5 zum starten und ESC zum stoppen
  • — Ausblenden: Punkt

Jetzt funktionieren «weiter» und «zurück» einwandfrei mit Keynote von Apple. Zum Starten der Präsentation wird allerdings die Tastenkombination alt-cmd-p verwendet und zum Aus- und Einblenden der aktuellen Folie «b».

Und was ist die Lösung?

Am vergangenen Wochenende habe ich nun die Software KeyRemap4MacBook von Takayama Fumihiko entdeckt. Diese Software ermöglicht es, eine Tastaturbelegung zu verändern – und zwar sehr präzise: Ich kann festlegen, dass ausschliesslich bei der Tastatur «Logitech Presenter» in der Applikation «Keynote» F5 durch die Tastaturkombination alt-cmd-p und der Punkt («.») durch ein b ersetzt wird. Damit verhält sich die Fernbedienung genau so, wie sie es soll und ich kann sie am Mac mit PowerPoint und Keynote verwenden, ohne irgendetwas umstellen zu müssen.

Der Nachteil ist, dass man eine – für nicht-Informatiker – halbwegs komplexe Konfiguration ausführen muss. Aber das ist nicht so schlimm.

Wie geht das?

Zunächst müsst Ihr KeyRemap4MacBook von Takayama Fumihiko hier herunterladen (und wenn das Ganze bei Euch funktioniert, spendet ihm doch per Paypal oder Kreditkarte eine Kleinigkeit – und zwar hier). Dort ist auch (auf Englisch) beschrieben, wie Ihr es installieren könnt. Insbesondere bei Mac OS X 10.8 Mountain Lion muss man eine Kleinigkeit beachten, damit die Installation klappt.

Systemeinstellungen KeyRemap4MacBookDann geht Ihr in den Systemeinstellungen (Apfel oben links – Systemeinstellungen) auf KeyRemap4MacBook. In den Einstellungen wählt Ihr dann «Misc & Uninstall» aus und klickt auf «Open private.xml». Dabei öffnet sich der Finder und zeigt die Datei private.xml an. Diese könnt Ihr mit einem Texteditor öffnen und editieren. Oder Ihr ladet einfach meine private.xml runter (bitte unbedingt mit »Speichern unter«, da Euer Browser möglicherweise teile der Datei nicht anzeigt) und ersetzt die bestehende damit.

Einstellungen KeyRemap4MacBook (Change Key)Und wenn Ihr das gemacht habt, müsst Ihr nur noch auf dem Tab ganz links in den Einstellungen für KeyRemap4MacBook («Change Key») den Knopf «ReloadXML» drücken und danach in der Liste «Logitech Presenter with Keynote» selektieren und die Einstellungen schliessen.

Ab diesem Zeitpunkt verhält sich Euer Logitech Wireless Presenter (egal ob R400 oder R800) unter Keynote genau so, wie Ihr es erwarten würdet. Ich bin auf jeden Fall ziemlich dankbar für diese elegante Lösung (und habe dementsprechend auch für KeyRemap4MacBook gespendet).

Portraitworkshop «Available Light»

Franziska Am 21. April 2012 (inzwischen vor guten fünf Wochen) habe ich bei Barbara Hess (Twitter: @pictura / Web: http://www.pictura.ch/) an einem Portraitworkshop teilgenommen. Das Ziel des Workshops war es, zu lernen, wie man mit verfügbarem Licht arbeitet. Ich fand den Gedanken verführerisch, schöne Portraits ohne teure (oder besser: aufwendige) Studioblitzanlagen zu machen.

So gesehen konnte ich mich mit dem Ziel des Workshops identifizieren. Mein eigenes Ziel war allerdings ein anderes: Ich wollte einfach mal ein paar Stunden mit einem Model und unter fachkundiger Anleitung fotografieren. Dabei Stand das Kennenlernen meiner Kamera (einer Nikon D7000, die ich seit 1 ½ Jahren habe) und das Spielen mit Einstellungen und Motiven im Vordergrund.

Ich hatte wenige Wochen zuvor beschlossen, wieder mehr zu fotografieren. Das Arbeiten an und mit Bildern hilft (mir) enorm dabei meinen Blick, mein «ästhetisches Auge» zu schulen. Und das macht es leichter, Designentscheidungen zu treffen. Fotografieren ist also gut für jemanden, der Präsentationen entwirft – und es macht tierisch Spass. Der Workshop war für mich also ein erster Schritt zu mehr Fotografie.

Wie war’s?

Barbara hat für uns das nötige Umfeld geschaffen (Location, Licht, Model) und uns einfach fotografieren lassen. Dabei hat sie uns mit guten Tips, Ideen und Kritik in die richtige Richtung geführt. Sie hat uns gezeigt, wie sie Locations auswählt, was das besondere ausmacht. Auch wo man auf Schattenwurf achten muss und wie das Model geschminkt sein sollte waren Themen.

Und abschliessend haben wir einen kleinen Einblick in die digitale Nachbearbeitung bekommen. Unser Model Franziska (Twitter: @quantenlawine) hat einen sehr guten Job gemacht und war extrem geduldig mit uns.

Mein Fazit

Ich kann nicht sagen, dass der Workshop meine Erwartungen erfüllt hat. Das liegt aber nur daran, dass ich nicht so recht wusste, was ich erwarte. Es hat mir sehr viel Spass gemacht. Barbara ist ein sympathischer, ruhiger (zumindest im Workshop – ich habe den Verdacht, dass sie auch sehr «ausgeflippt» sein kann) und angenehmer Mensch. Sie versteht es, eine gute Atmosphäre sowohl für die sehr heterogene Gruppe der Fotografen (vom professionellen Partyfotografen bis zu mir) als auch für das Model zu schaffen. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern war auch sehr positiv. Kurz gefasst: Es war sehr lustig und lehrreich für mich.

Mein Fazit ist, dass ich sicher wieder einen Workshop bei Barbara machen würde und ich es auch jedem empfehle, der Spass an der Fotografie hat und an seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeiten will.

Barbara hat in ihrem Blog einige sehr wertvolle Tips aus ihrem Workshop zur Portraitfotografie notiert (Portraitfotografie auf Barbaras Blog).

Drei Abschliessende Tips

Damit Ihr bei sowas möglichst viel Spass habt, solltet Ihr vorher drei Kleinigkeiten beachten:

  • – Ihr solltet vorher nachschauen, wie man den Autofokus-Modus Eurer Kamera verstellt oder wenigstens Fragen (Was ich Depp beides nicht gemacht habe, obwohl Barbara die gleiche Kamera hat.).
  • – Ihr solltet die Bilder – wenn möglich – im RAW-Format Eurer Kamera aufnehmen (hab ich natürlich auch nicht gemacht). Grade was die Nachbearbeitung angeht, habt Ihr damit viel mehr Möglichkeiten.
  • – Ihr solltet wissen, wie Ihr ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und Blende einstellt (das wusste ich immerhin).

So ein Workshop ist zwar auch eine gute Gelegenheit, die Kamera besser kennen zu lernen, aber es hilft, zumindest die Grundlagen der Bedienung vorher schon im Griff zu haben.

Nachtrag

Portrait Boris BäslerInzwischen habe ich eine (einfache) Studioblitzanlage. Grade für Portraits, die im beruflichen Umfeld gebraucht werden, ist es gut, die Belichtungssituation halbwegs im Griff zu haben. Neben Bildern eines Freundes, die er für seinen Job brauchte, habe ich am vergangenen Wochenende Selbstportraits gemacht.

Das ist in jeglicher Hinsicht eine Herausforderung:

  • – Bin ich überhaupt im Bild? Wie ist die Komposition?
  • – Jetzt bin ich in der richtigen Pose, aber sieht das auf dem Bild dann auch halbwegs aus?
  • – Ich stehe richtig, aber so kann ich mit der Fernbedienung nicht auslösen.
  • – Seh‘ ich echt so aus? Ich seh‘ doch nicht so aus?

Aber was die grösste Herausforderung war: Nicht elendiglich bei einem Lachanfall zu ersticken, weil die geschossenen Bilder auf einem Bildschirm hinter der Kamera erschienen. Immerhin ist dabei ein Bild mit einem echten Lachen entstanden.

Zen oder die Kunst der Präsentation – 2. Auflage

Zen oder die Kunst der Präsentation - Zweite AusgabeAm 28. März 2012 ist die zweite (überarbeitete) Ausgabe von Garr Reynolds' (Twitter: @presentationzen – Blog: presentationzen.com) Zen oder die Kunst der Präsentation erschienen. Es ist die deutschen Ausgabe von Presentation Zen.

Die englische Ausgabe habe ich bereits im Dezember erhalten und gelesen. Für mein Review wollte ich aber auf die Verfügbarkeit der deutschen Ausgabe warten. In der Folge könnt Ihr lesen, was neu ist, was geblieben ist und ob es sich lohnt, die zweite Ausgabe zu kaufen.

Was ist neu?

Wenn man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut, fallen zwei Dinge auf: Zum einen hat die zweite Ausgabe rund 70 Seiten mehr, was auch schon auffällt bevor man das Buch aufschlägt. Und zum anderen gibt es ein vollständig neues Kapitel «Engagement ist notwendig» zum Thema Vortrag.

Garr hat wirklich alles überarbeitet; an einigen Stellen Formulierungen verbessert, an anderen die Inhalte aktualisiert und erweitert (auch im Bereich Präsentationen hat sich seit der ersten Ausgabe von Anfang 2008 einiges getan). Und natürlich gibt es neue Beispiele, Studien und Gastbeiträge.

Zum neuen Kapitel «Engagement ist notwendig» sei zunächst angemerkt, dass die Übersetzung ins Deutsche etwas holprig ist (wie bei so vielen Übersetzungen). Es geht nämlich darum, aus passiven Zuhörern und Zuschauern mehr zu machen – nämlich aktive Teilnehmer.

Und dabei helfen uns Emotionen. Sie integrieren die Teilnehmer, machen sie zu einem Teil unseres Vortrages.

Dazu brauchen wir einerseits unsere authentischen Emotionen (nichts wirkt unglaubwürdiger als gespielte Begeisterung). Andererseits müssen wir auch die Emotionen unserer Teilnehmer wecken. Garr beschreibt hier sehr gut, wie wir ein Gemeinsamkeitsgefühl finden, welche einfachen Ideen dabei helfen, die Lücke zwischen Präsentierendem und Publikum zu schliessen.

Dieser Bereich ist besonders für die IT-Branche (in der ich arbeite) und für die Deutschsprachigen (was ich bin) schwierig. Wir «wissen», dass nur harte Fakten zählen und Emotionen generell unprofessionell sind. Professionell oder nicht: Gefühle sind der beste Weg, näher zu unserem Publikum zu kommen, es zu erreichen.

Was ist geblieben?

Zen oder die Kunst der Präsentation ist meiner Meinung nach immer noch das Standardwerk für den Einstieg in die Welt der besseren Präsentationen. Durch die Erweiterungen ist es aber vollständiger, runder geworden.

Garr führt uns durch die wesentlichen Schritte für eine gute Präsentation: Die Vorbereitung, das Design und den Vortrag.

Der Aufbau ist wie gehabt: Nach einer allgemeinen Einleitung geht es zunächst um die Vorbereitung und Planung, dann um das Design der visuellen Hilfen (Folien) und zum Schluss um den Vortrag selber.

Das Buch ist immer noch ein hervorragendes Beispiel für liebevolles Design. Und auch der Inhalt des Buches bleibt hochwertig: Dank eines roten Fadens und vieler klarer Beispiele versteht man die Gedanken und Ideen sehr gut. Es fällt leicht, diese in eigenen Präsentationen anzuwenden.

Und wie ist die zweite Auflage so?

Ich persönlich war schon von der ersten Auflage begeistert und habe sie als «Handout» für meine Workshops und Coachings verwendet. Ausserdem habe ich sie häufig an Freunde, Arbeitskollegen und Kunden verschenkt (Vorsicht, unkommentiert kann das als Kritik aufgefasst werden!). Insgesamt habe ich sicher so um die 200 Exemplare (Englisch, Deutsch und Französisch) der ersten Auflage gekauft und weitergegeben. Man könnte also sagen, dass ich überzeugt bin.

Garr hat es tatsächlich geschafft, dass die zweite Auflage runder, vollständiger ist. Nach dem Lesen der zweiten Auflage, fehlt mir in der ersten was.

Oder um es kurz zusammen zu fassen: Die zweite Auflage ist eine verbesserte Version einer bereits hervorragenden ersten Auflage.

Soll ich es kaufen?

Wer besser (und anders) präsentieren will, neue Ideen sucht und bereit ist, vom normalen «Death by PowerPoint» abzuweichen, für den ist dieses Buch der ideale Einstieg. Aber Vorsicht: Nach dem Lesen des Buches können Folgekosten entstehen, weil man plötzlich den Bedarf für weitere Bücher von Garr, Nancy Duarte, den Heath-Brüdern oder John Medina entwickelt (siehe Buchempfehlungen in der rechten Spalte).

Wer sich nicht für Präsentationen interessiert und nicht an seinen arbeiten will … der liest das hier wohl eh nicht.

Wer auf der Suche nach einer Anleitung zu PowerPoint (oder Keynote) und all den coolen Animationen ist, für den gilt: Kaufe dieses Buch! Es liefert keinerlei Anleitungen zu diesen Themen, aber es erklärt, warum man diese nicht oder nur sehr spartanisch braucht.

Wer die erste Auflage gelesen hat und das Buch seitdem im Schrank stehen hat, für den gilt: Um es nicht zu lesen, lohnt sich die Investition nicht. Aber es kann ein willkommener Anlass sein, die Ideen mal wieder aufzufrischen.

Wer die erste Auflage – so wie ich – immer mal wieder in den Händen hat, dem sei die zweite Auflage ans Herz gelegt. Mit dem zusätzlichen Kapitel und den vielen kleinen Ergänzungen ist die zweite Auflage definitiv ein Fortschritt und die Investition lohnt sich.

Warnung für Kindle-Benutzer

Die Version für den Kindle von Anfang 2012 ist immer noch die erste Auflage (zumindest war das Mitte April 2012 so). Die ist zwar auch schon ok (das Design ist auf dem Kindle naturgemäss wesentlich schwächer), aber ich würde doch eher noch einen Moment warten und dann die zweite Auflage kaufen – oder für sechs Euro mehr die Papierauflage kaufen.

Allerdings kann man hier bei Addison-Wesley das eBook (oder eine Kombination aus eBook und Papierversion) bestellen. Wichtig ist dabei aber, dass sie sie unter eBook folgendes verstehen: Eine PDF-Datei und die Möglichkeit zum Online-Lesen. Wer es also offline auf iPad oder Kindle lesen will: Es geht zwar mit dem PDF, ist aber nicht optimal.

Ein (englischsprachiges) Review der (englischsprachigen) Second Edition von presentation zen findet Ihr übrigens auf Dirk Hauns (Twitter: @dirkhaun) Blog The Mobile Presenter.

Warum überhaupt «besser Präsentieren»?

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum man an Soft Skills wie dem Präsentieren arbeiten sollte. Reicht es nicht, im eigenen Fachgebiet gut zu sein, grossartige Ideen zuhaben? Sollte eine gute Idee, gute Arbeit nicht für sich sprechen?

Um es kurz zu machen: Ja, das sollten sie. Und nein, das tun sie in der Regel nicht.

Meine Erfahrung

Ich arbeite seit rund 17 Jahren in der EDV. Als ich in den 90ern angefangen habe, kam gleichzeitig PowerPoint als Präsentationswerkzeug auf. Ich erinnere mich an einige Gelegenheiten, bei denen ein Berater zu uns kam, der uns den grössten Unsinn verkaufen wollte. Und ich sass in diesen Präsentationen und dachte mir: «Das sieht nett aus und die Effekte im PowerPoint sind irgendwie cool. Aber inhaltlich ist das doch ziemlicher Unsinn.» Und dann wurde das Produkt/die Dienstleistung gekauft.

Ist Präsentieren nur Werbung?Mehrere solche Erlebnisse haben bei mir den Eindruck gefestigt, dass Präsentationen nur schöne Verpackungen für Mist sind. Und wann immer mir jemand vorgeschlagen hat, mich doch mal mit Präsentationen oder PowerPoint zu beschäftigen, habe ich dankend abgelehnt. Schliesslich kann ich ja «was Richtiges» und will gar keinen Mist verkaufen. Also brauche ich auch nicht diese «Beraterfähigkeiten».

Ungefähr zur selben Zeit fing ich an, meine grossartigen Ideen meinen Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Kunden vorzustellen – meist, indem ich bei einem Kaffee ungebremst und ungeplant auf sie eingeredet habe. Aber nur selten hat sich jemand für diese Ideen begeistern können. Das lag sicher bei vielen dieser Ideen daran, dass sie alles andere als grossartig waren – aber nicht bei allen. So habe ich mal eine Projektidee allen möglichen Leuten gezeigt und erst nach drei Jahren kam ein «Ach so, so meinst Du das. Das ist wirklich eine gute Idee. Wir machen das.» von jemandem, dem ich das Ganze schon öfter erklärt hatte.

Ich war also in einem Dilemma: Auf der einen Seite waren da die verhassten Berater, die Mist als Gold verkaufen konnten und auf der anderen Seite war ich, dessen Präsentationsversuche regelmässig damit endeten, dass sein Gold als Mist verstanden wurde. Und da dämmerte es mir: Eine gute Verpackung ist auch für gute Ideen/gute Arbeit viel besser als eine schlechte. Nicht ohne Grund investieren Unternehmen heute viel Geld und Zeit in das Verpackungsdesign für ihre Produkte.

Ich habe angefangen, an meinen Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten zu arbeiten. Jetzt stand der Gesprächspartner/das Publikum im Mittelpunkt. Wo steht mein Zuhörer? Wie kann ich meine Idee so vermitteln, dass mein Gegenüber sie versteht? Wie kann ich die Vorteile so vermitteln, dass der andere sieht, wo der Vorteil für ihn liegt? Was ist denn eigentlich meine Kernaussage? Und hey, diese Kernaussage hängt von meinem Publikum ab. Verdammt, das wird ja alles sehr kompliziert.

Und tatsächlich investiere ich heute sehr viel mehr Zeit und Energie darin, eine Präsentation zu planen und zu entwickeln als vor 15 Jahre. Aber das wirklich Wesentliche ist, dass die Stunden oder Tage Vorbereitung dazu führen, dass ich meine Ideen nicht mehr über drei Jahre immer und immer wieder präsentieren muss. Heute mache ich das einmal und bekomme eine Rückmeldung. Und sei das nur, dass die Idee totaler Blödsinn ist.

Klar, wenn man eine Präsentation als eine Zeit ansieht, in der man irgendwo steht und reden muss, ist es zweifelhaft, ob man für 15 Minuten reden zwei oder mehr Tage Vorbereitung investieren sollte. Bei meinen Kunden ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass sie in diesen 15 Minuten einen Partner, Investor oder Kunden überzeugen wollen, viel Aufwand, Geld oder Vertrauen in ein Projekt, ein Produkt oder das Unternehmen zu investieren. Und wenn man die drei Tage Vorbereitung nicht als Investition in 15 Minuten reden ansieht, sondern als Investition in die Zukunft einer Idee, eines Projektes oder sogar eines Unternehmens, ist das doch ein verschwindend geringer Aufwand.

Warum also «besser Präsentieren»?

Besser Präsentieren – mehr ErreichenAus meiner Erfahrung ist das sehr einfach: Wer besser präsentiert, erreicht mehr als jemand, der genauso gut ist, aber schlechter Präsentiert. Mit dem nötigen Wissen und Übung wird es leichter, andere von einem gemeinsamen Ziel zu überzeugen. Statt also auf der eigenen Idee zu sitzen und zu hoffen, dass endlich mal jemand versteht, wie gut sie doch ist, kann man raus gehen und aktiv Partner finden.

Und was können wir machen um besser zu präsentieren? Das Buch «Presentation Zen» (auf Deutsch «Zen oder die Kunst zu präsentieren») von Garr Reynolds ist ein guter Einstieg in die Materie. Findet Gleichgesinnte, mit denen Ihr gemeinsam üben und Euch austauschen könnt. Überzeugt Eure Vorgesetzten, einen Präsentationstrainer/-coach ins Haus zu holen oder eine Gruppe von Mitarbeitern auf einen Kurs zu schicken.

Boris Bäsler

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