TEDxBern – I han es Zündhölzli azündt

TEDxBern – I han es Zündhölzli anzündtGestern Abend wurde mir die grosse Ehre zuteil, an der ersten TEDxBern teilnehmen zu dürfen. Die Organisatoren haben ins Swisscom Brain Gym in der Nähe des Bahnhofs Bern eingeladen und rund 120 (meine Schätzung) glückliche Gäste durften teilnehmen.

Mein Fazit: Ich kann allen nur empfehlen, im kommenden Jahr vor dem Internet zu zelten, so dass sie bei Öffnung der Anmeldung die ersten in der Schlange sind. Ich werde es auf jeden Fall so – oder so ähnlich – machen.

Die erste TEDxBern war eine gelungene, gut organisierte Veranstaltung mit tollen Vorträgen und vielen grandiosen Menschen.

Und für mich faszinierend: Viele Vorträge waren in Mundart und wurden simultan ins Englische übersetzt. Ich finde, dass das den Vortragenden noch eine Extra-Portion Authentizität verliehen hat. Super Idee und Gratulation zum Mut, das so zu machen.

Die Organisation

Es war ja der erste TEDx Event, der in Bern organisiert wurde. Dementsprechend waren meine Erwartungen nicht hoch. Ich habe gedacht, dass ein bisschen improvisiert werden müsse, dass es Pannen gäbe und sich das Ganze erst «einschleifen» müsse.

Ha, weit gefehlt: Christian Hirsig (Twitter: @christianhirsig), Alex Phillips (Twitter: @alexlefty), Markus Maurer (Twitter: @kusito), Bastian Widmer (Twitter: @dasrecht), Matthias Stürmer (Twitter: @maemst) und Christina Taylor haben einen sehr professionellen Job gemacht. Alles hat funktioniert und lief reibungslos ab. Vielen Dank an die grossartige Organisation.

Andrea Jansen hat sehr professionell und authentisch humorvoll durch’s Programm geführt.

Und die Vorträge?

Alle «Speaker» hatten etwas zu sagen. Sie hatten eine Geschichte, ein Anliegen, eine Idee. Die Qualität der Vorträge (beziehungsweise Visuals/Zeichnungen) war überdurchschnittlich gut. Es gab ein paar Kleinigkeiten in einigen Vorträgen, die man mit wenig Aufwand verbessern könnte.

Insbesondere das Ablesen eines gesamten Vortrages kommt (zumindest bei mir) immer schlecht an. Dass das Leute machen, die ihr Thema mit Herz und Verstand beherrschen, ist schade.

(Das gilt natürlich nicht für die Lesung eines Kapitels aus einem Buch. Da ist das Vorlesen ja der Kernpunkt des Vortrages.)

Es wäre schön, wenn wir im kommenden Jahr den Rednern ein kleines TEDx-Präsentationscoaching zur Unterstützung anbieten könnten. Ich würde die Organisatoren sehr gerne (gratis) dabei unterstützen.

Das Line-Up

Angefangen haben BlackYard, ein Team von Grafikern/Illustratoren, das uns ein grafisches Brainstorming vorgestellt hat. Es hatte was von Guerilla-Illustrieren.

Sie haben auf der Bühne mit vier Flipcharts eine Technik demonstriert, mit der sie Ideen entwickeln: Jeder startet eine Zeichnung zum Thema und nach einiger Zeit wird gewechselt. Der nächste arbeitet weiter an der Zeichnung bis zum nächsten Wechsel, und so weiter. So entstanden vor unseren Augen vier sehr unterschiedliche, aber irgendwie «runde» Zeichnungen. Eine spannende und offensichtlich für Zuschauer und Zeichner spassige Form kreativer Kollaboration.

Anschliessend hat Ben Hüter von der Schule für Gestaltung Bern und Biel über Bildungskonzepte gesprochen, die über das blosse Vermitteln von Wissen hinaus gehen. Wie das bei mir nun mal so ist, fasziniert mich alles, was mit Bildung zu tun hat – und neue Wege aufzeigt.

Vor der «Zuschaltung» eines Original-TED-Vortrages von Kirby Ferguson («Embracing the Remix»), hat uns die Berner Beatboxerin Steff la Cheffe unterhalten und einen Crashkurs Beatboxing verpasst. Wie bereits bei einem Firmenevent vor einem Jahr war ich fasziniert davon, wie sie das Publikum (und auch mich) begeistern und motivieren kann.

Nach der «Zuschaltung» sprach Dr. Elham Manea von der Universität Zürich über Parallelgesellschaften und in wie weit sie ein Problem oder eben auch keins darstellen.

Dann hatten wir 1 ½ Stunden Zeit um ein bisschen zu Networken und ein bisschen zu essen und zu trinken. Das Catering war perfekt.

Nach der Pause überraschte mich Renato Kaiser mit der Lesung aus seinem Buch «Uufpassä, nöd aapassä» (Aufpassen, nicht Anpassen). Die Ostschweizer in Bern haben ähnliche Probleme wie wir Deutsche in der Schweiz (oder machen sich ähnliche Probleme, weil sie nicht auffallen wollen). Die Lesung war wirklich witzig und lässt darauf hoffen, dass das Buch spitze wird. Dementsprechend habe ich mich auch gleich am Crowdfunding bei 100 Days beteiligt. Sicher eine lohnende Investition.

Danach sprach Dr. Sarah Joan Moran von der Universität Bern darüber, wie sich visuelle und textuelle Kommunikation mit den digitalen Medien verändern und welche neue Bedeutung sie bekommen.

Dann hat uns Remo Läng mit seinem Vortrag über die Alpenüberquerung mit einem Wingsuit unterhalten. Sehr visuell, sehr authentisch und mitreissend.

Vor der zweiten «Zuschaltung» (Margaret Heffernan «Dare to Disagree») sprach dann noch Thomas «Thömu» Bingeli über seine Erfolgsgeschichte mit Thömus Velo Shop, dem Stromer und zuletzt BMC. Auch sein Vortrag war sehr unterhaltsam. Ich werde das Bild der Oberrieder Bauern, die mit baggy Jeans von Homeboy auf dem Feld arbeiten, wahrscheinlich nie wieder los.

Nach der «Zuschaltung» haben dann Roman Tschäppeler & Mikael Krogerus die Welt in drei Strichen erklärt. Ihr Vortrag war für mich ein humorvoller Denkanstoss zu einfachen und effizienten Visualisierungen und sicherlich ein Highlight. Ihr Buch «Die Welt erklärt in drei Strichen: Das kleine Buch der grossen Veränderungen» habe ich mir dann auch gleich bestellt.

Das Rahmenprogramm

In den Pausen und nach der Veranstaltung konnten wir «socializen» und uns mit den Sprecherinnen und Sprechern unterhalten. Remo Läng hat mich wieder motiviert, das Paragliding anzugehen. Mit Mikael Krogerus habe ich über Möglichkeiten für einen Event bei uns gesprochen und mit Renato Kaiser habe ich die Gemeinsamkeiten im Schicksal der Ostschweizer und Deutschen in Bern gefeiert.

Sobald die Vorträge auf TED.com verfügbar sind, werde ich sehr gerne die Links nachliefern. Es lohnt sich!
Leider haben es die Vorträge nicht bis auf TED.com geschafft. Zum Glück gibt es sie aber auf YouTube.
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Jamie Oliver fordert radikales Umdenken wegen unserer Ignoranz beim Essen

Dieser Text erschien im Original am 12. Februar 2010 auf Presentation Zen unter dem Titel «Jamie Oliver calls for all-out assault on our ignorance of food». Die Übersetzung erfolgte durch prezentation.ch mit freundlicher Genehmigung des Autors Garr Reynolds. Folgt Garr auf Twitter unter @presentationzen.

Jamie Oliver bei der TED 2010Ich empfehle Euch dringend, diese neue Präsentation von Jamie Oliver («The Naked Chef») bei der TED 2010 anzusehen. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, da schlechte Ernährungsgewohnheiten ein starker Einflussfaktor beim vorzeitigen Tod meines Vaters in meiner Kindheit waren. Eventuell habt Ihr bemerkt, dass ich bei einigen Slides in meinen Büchern und Seminaren OECD Daten zur Verbreitung von Fettleibigkeit rund um den Globus verwende. In den Industrienationen sind die Steigerungsraten bei der Fettleibigkeit dramatisch. Japan hat eine relativ geringe Fettleibigkeitsrate verglichen mit den USA. Diese Rate wächst aber unglücklicherweise, da die junge Generation Geschmack an Fast- und Convenience-Food gefunden hat. Ich stimme Jamie Oliver zu: Wir brauchen ein radikales Umdenken wegen unserer Ignoranz beim Essen. Schaut Euch die 20-minütige Präsentation unten oder auf der TED Webseite an.

Der Vortrag

Ich mochte diesen Vortrag besonders, weil seine Nachricht geradezu Lebenswichtig ist. Solange die Argumente klar und die Leidenschaft offensichtlich und aufrichtig ist, neige ich dazu, nachsichtig mit kleineren Unvollkommenheiten im Vortragsstil umzugehen. Idealerweise hätte ich gerne mehr visuelle Darstellungen von Daten gesehen, die einige seiner Annahmen unterstützen. Und es wäre besser gewesen, wenn er nicht so viel gelaufen wäre oder dem Publikum seinen Rücken nicht zugedreht hätte, um seine eigenen Folien anzuschauen. Das sind Dinge, mit denen wir uns bei unseren Vorträgen Gedanken machen müssen, aber ich denke bei seiner Berühmtheit und der Veranstaltung war die Präsentation sehr effektiv. Ich war inspiriert, Feuer und Flamme nach dieser Präsentation, aber bei mir rennt er damit auch offene Türen ein. Dennoch, es ist nicht falsch, von Zeit zu Zeit offene Türen einzurennen. Man kann die Welt nicht ganz alleine verändern; man braucht Gleichgesinnte, mit denen man gemeinsam kämpfen kann.

Jamie Oliver zeigt plastisch wieviel Zucker Kinder zu sich nehmen

Jamie Oliver zeigt die Menge an Zucker, die ein Kind nur aus seiner Schulmilch in fünf Jahren Grundschule zu sich nimmt — eine Schubkarre voller Zuckerwürfel.

Statistik beschreibt, welche Todesarten wie häufig vorkommenEine Sache, die ich besonders mochte, ist, dass Jamie Oliver am Anfang mithilfe eines einfachen Balkendiagramms ein gewichtiges Argument veranschaulicht. Wir seien unser Leben lang ängstlich wegen Dingen wie Morden, sagt Jamie Oliver «… es ist auf der Titelseite jeder Zeitung, CNN — schaut Euch den Balken für Morde an — ganz unten, um Himmels willen!» Das war eine starke Aussage, die sicher einige innehalten lies. Wir machen uns Gedanken um das wohlergehen unserer Kinder — Sind die Strassen sicher? Ist genug Polizei auf den Strassen? und so weiter. Währenddessen isst unsere Jugend Lakritz und trinkt haufenweise zuckerhaltige Getränke.

Einige sagen vielleicht, dass Jamie Oliver’s Vortrag ein bisschen übertrieben oder zusammenhanglos sei. Aber ich denke, es war eine grossartige, unverblümte, nackte Präsentation. Er hat die Aufmerksamkeit der Menschen gewonnen und dabei noch Lösungen angeboten. Und er hat sein Publikum überzeugt.

Der Wunsch

«Ich wünsche mir Ihre Hilfe dabei, eine starke und nachhaltige Bewegung aufzubauen, um jedes Kind über Nahrungsmittel aufzuklären, Familien dazu anzuregen, wieder zu kochen, und die Menschen überall in die Lage zu versetzen, Fettleibigkeit zu bekämpfen.»

— Jamie Oliver

Ergänzung vom Übersetzer: Seit ich vor wenigen Wochen die Idee für dieses Blog hatte und vor wenigen Tagen damit begonnen habe, geisterte mir diese Präsentation im Kopf herum. Sie hat mich – ebenso wie Garr – berührt, motiviert und inspiriert. Als ich dann abends dasass und zu schreiben begann, habe ich zuerst bei Presentation Zen gesucht und diesen Artikel gefunden. Nun, statt einem eigenen Artikel ist daraus jetzt eine Übersetzung geworden. Aber der Inhalt ist es wert.

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Hans Rosling wieder aufgegriffen: Mischen analoger und digitaler Visualisierungstechniken

Dieser Text erschien im Original am 12. Juli 2010 auf Presentation Zen unter dem Titel «Hans Rosling redux: Mixing analog with digital visualization». Die Übersetzung erfolgte durch prezentation.ch mit freundlicher Genehmigung des Autors Garr Reynolds. Folgt Garr auf Twitter unter @presentationzen.

Ihr habt vielleicht bereits Hans Rosling’s Präsentation zur Entwicklung der Weltbevölkerung gesehen, bei der er die coole Gapminder Software nutzt. In seiner neuesten Präsentation — seiner sechsten für TED — fügt er auch noch analoge Technik hinzu. Diese neue analoge Lehrmethode hat er bei Ikea aufgenommen, sagt er. Die Präsentation unten ist hevorragend und ein gutes Beispiel für die Mischung analoger und digitaler Visualisierungstechniken. Diese Mischung führt zu einer eingängigen, kurzen Präsentation. Seht Euch das Video unten an.

Im Überblick

Lasst uns hier einige Standbilder aus Hans Rosling’s Präsentation anschauen.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Eine Box stellt eine Milliarde Menschen dar. 1960 gab es eine Milliarde Menschen in der industrialisierten Welt und zwei Milliarden in den Entwicklungsländern. Die Lücke zwischen der blauen Box und den gelben Boxen auf dem Tisch macht die grosse sozio-ökonomische Lücke klar, die 1960 bestand.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: 1960 strebten die Menschen in den Industrienationen den Kauf eines Autos an, in den Entwicklungsländern strebten die Menschen nach Schuhen. Was Hans uns zeigen will, ist, dass die Welt sich verändert hat. Und das trotz der Einstellung «Der Westen und der Rest» (Englisch: «The West and the Rest»), die auch heute noch zu finden ist.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Die Weltbevölkerung hat sich seit Anfang der ’60er verdoppelt.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Hier könnt Ihr sehen, dass die Lücke zwischen den ärmsten der Entwicklungsländer (gelbe/grüne Boxen) und den reichen Ländern (blaue Box) viel grösser geworden ist. Die zwei Milliarden in den Entwicklungsländern müssen fast genauso kämpfen wie 1960, sagt Hans. Zwischen den Ärmsten und den Reichsten sind die Schwellenländer, der grösste Teil der Weltbevölkerung. Hans‘ Argument ist, dass obwohl es keine so grosse Lücke mehr gibt, kein «Wir und die» oder «Der Westen und der Rest», ist das Besorgniserregende doch, dass die Armen immer noch sehr arm sind.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Hans sagt, dass China mit Sicherheit bis 2050 aufholen werde, ebenso wie Japan das getan habe. Und wenn wir gut in grüne Technologien, etc. investieren, würden die Schwellenländer mit den reichsten Nationen gleichziehen.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Nun, wie sieht es bei den ärmsten zwei Milliarden aus, werden sie auch aufholen? Hans erklärt, dass das Problem hier das Bevölkerungswachstum sei (aus den zweei Boxen wurden vier). In den reichen Nationen und Schwellenländern, werde das Bevölkerungswachstum bis 2050 im Wesentlichen gestoppt sein. Wie dem auch sei: In den ärmsten Ländern werde sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 verdoppeln, wie oben gezeigt.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Wir müssen etwas ändern, so dass die menschen auf diesem Level nicht in der Suche nach Nahrung und Schuhen steckenbleiben (zum Beispiel: sie aus der Bedürftigkeit und ihren Konsequenzen herausführen). Andernfalls wird sich das Bevölkerungswachstum fortsetzen. Wie auch immer, wenn (und nur dann) sie aus der Armut herauskommen, bessere Gesundheitsfürsorge bekommen, eine hohe Überlebensrate der Kinder erreichen, etc. wird die Steigerung der Geburtenrate bis 2050 zum Stillstand kommen.

Hans Rosling bei Präsentation zur Bevölkerungsentwicklung

Oben: Sich zum digitalen Display umdrehend, um sein Argument zu unterstreichen, zeigt Hans, wie viele Teile der Welt jetzt gute Überlebensraten für Kinder haben und dementsprechend kleinere Familien. Aber die zwei Milliarden der Ärmsten haben immer noch eine relativ hohe Anzahl an Geburten pro Frau und eine schlechte Überlebensrate der Kinder. (Achte darauf, wie das Bild der analogen Box auch in der Grafik neben den Bevölkerungsblasen wieder aufgenommen wird.)

Das Ziel ist es nicht, es genauso zu machen wie Hans, oder die Gapminder Software zu verwenden. Das wirkliche Ziel ist, dass wir uns Fragen, wie wir digitale und Analoge Methoden in unseren Präsentationen vereinen können. Und das auf eine Art, die uns dabei hilft, die Daten lebendig werden zu lassen und unsere Geschichte auf ehrliche, bewegende und einprägsame Weise zu bereichern. Es gibt viele Wege, das zu tun; Hans Rosling’s Stil ist nur ein Ansatz. Aber wie Hans (und sein Team bei Gapminder) oft gezeigt hat, Daten sind nicht langweilig, in Wirklichkeit erzählen sie eine Geschichte.

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Wir sind die Geschichten, die wir uns selbst erzählen

Dieser Text erschien im Original am 21. Mai 2010 auf Presentation Zen unter dem Titel «We are the stories we tell ourselves». Die Übersetzung erfolgte durch prezentation.ch mit freundlicher Genehmigung des Autors Garr Reynolds. Folgt Garr auf Twitter unter @presentationzen.

Roz Savage auf ihrem Ruderboot (Juni 2005)Ich wollte Euch aus zwei Gründen auf diese kurze TED Präsentation unten aufmerksam machen: (1) Es ist ein ziemlich gutes Beispiel für einen Vortrag mit visueller Unterstützung auf einem Monitor, und noch wichtiger, (2) der Inhalt wird für viele von Euch inspirierend sein. Speziell für diejenigen, die möglicherweise feststecken oder versuchen, ihr Leben zu verändern (aber etwas Angst davor haben). In vielerlei Hinsicht ist diese Präsentation von Roz Savage eine gute Fortführung zum vorangehenden Eintrag. Jake Shimabukuro (siehe vorangehender Eintrag) ist hervorragend, indem er die Erwartungen anderer an sein Instrument bei Weitem übertrifft. Und Roz Savage spricht (unter anderem) über die Idee, die Angst davor zu durchbrechen, unsere (alten) Erwartungen für uns selbst bei Weitem zu übertreffen.

Präsentieren mit einem Flachbildschirm

Roz Savage präsentiert vor einem FlatscreenDer Monitor hinter Roz Savage ist nicht besonders gross, aber gross genug für kleinere Veranstaltungsorte. Es ist seit einiger Zeit üblich bei Schulen und Firmen, solche Flachbildschirme in Präsentations- und Besprechungsräumen zu installieren. Bereits vor sieben bis acht Jahren habe ich Monitore wie diesen genutzt, um Bilder und Videos in Japan anzuzeigen. Der Vorteil ist, dass man die Lichter im Raum an lassen kann, da das Umgebungslicht den Bildschirm nicht so stark beeinflusst wie bei der Nutzung eines Projektors. Ausserdem kann (und sollte) man sehr nah am Bildschirm stehen, ohne Angst zu haben, das List vom Projektor zu blockieren. Ich hätte es gerne gesehen, wenn Roz mehr grafische Hilfsmittel genutzt hätte, während sie ihre FAQ behandelte. Tatsächliche Bilder von den Dingen, die sie an Bord gegessen hat, ihrem Bett und wie sie geschlafen hat, etc. wären sehr informativ gewesen. Auf der anderen Seite war ihr Thema in dieser Präsentation eher die Bedeutung der Reise als das Typische der tägliche Routine des Ruderns. Was mir besonders gefallen hat, war wie sie ihre Schultern immer dem Publikum zugewandt hatte und ihre Augen fast nie von den Menschen um sie herum genommen hat.

Roz macht darin einen hervorragenden Job, ins Publikum zu schauen während sie gleichzeitig Bilder passend zu Ihrem Vortrag zeigt. Dieses Bild zeigt klar, wie gross der Pazifik tatsächlich ist.

Ihr könnt Eure Geschichten ändern

In mancherlei Hinsicht, sind wir das, was wir zu sein glauben. Es liegt viel Wahrheit in dem Gedanken, dass «wir die Geschichte sind, die wir uns selbst erzählen.» Manchmal ist diese Geschichte – der innere Dialog – nicht nur eine positive. Für viele von uns ist diese Geschichte de facto eine einschränkende, eine Geschichte von «auf Nummer Sicher gehen» oder Akzeptanz der Mittelmässigkeit aus Angst vor etwas noch schlimmeren: Arbeitslosigkeit zum Beispiel. Für andere ist die Geschichte noch weniger inspirierend, eine Geschichte von Selbstzweifeln, Unsicherheit und niedrigen Erwartungen. Aber wir müssen mit unseren Geschichten verbunden sein. Unsere Vergangenheit muss nicht unsere Gegenwart oder Zukunft bestimmen. Die Aussage ist nicht, dass wir alle alles stehen und liegen lassen sollen, um über die Weltmeere zu rudern. Ich sehe Roz’s Vorbild eher als Metapher für den Rest von uns. Einige Menschen, die Ihr kennt – vielleicht sogar Ihr selbst – haben Gedanken wie diesen: «Ich habe das Gefühl, dass da ein Sinn im Leben ist – ich weiss nicht, was es ist, aber ich bin ziemlich sicher, es ist nicht __________ (aktueller Job, Ausbildung, etc.)!» Wenn das so ist, kann Roz’s Geschichte Euch vielleicht inspirieren, etwas zu ändern, ein neues Leben zu beginnen, statt zu warten, dass das neue Leben über Euch kommt.

Eine Lehre vom Samurai

Wie ich bereits erwähnt habe, war ich vergangene Woche bei der TEDxTokyo. Ein Vortrag, den ich wirklich genossen habe, war diese achtminütige Präsentation des Schauspielers, Comedians und Gastgebers von «Ich habe eine japanische Gameshow überlebt» Rome Kanda. Der Ausschnitt unten kommt am Ende nach seinen Scherzen. Er fordert dazu auf, eine Lektion aus dem Kodex der Samurai zu übernehmen. Auch hier geht es nicht darum, buchstäblich dem Weg der Samurai zu folgen. Rome spricht davon, ein Ziel, eine Bestimmung zu finden, die grösser als man selbst ist, eine, der man sein Leben widmen kann. Natürlich geben uns unsere Familien und insbesondere unsere Kinder ein solches Gefühl für Bestimmung, aber wenn wir darüber hinaus gehen: Es ist ein glücklicher Mann oder eine glückliche Frau, wer an etwas arbeiten kann, das nicht nur ein Job ist sondern eine Bestimmung. Nicht nur ein Verdienst, sondern eine Berufung.

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Ich präsentiere die bescheidene Ukulele: Jake Shimabukuro begeistert TEDxTokyo

Dieser Text erschien im Original am 16. Mai 2010 auf Presentation Zen unter dem Titel «Presenting the humble ukulele: Jake Shimabukuro wows TEDxTokyo». Die Übersetzung erfolgte durch prezentation.ch mit freundlicher Genehmigung des Autors Garr Reynolds. Folgt Garr auf Twitter unter @presentationzen.

Am Samstag nahm ich an der zweiten jährlichen TEDxTokyo Konferenz teil. Letztes Jahr war es grossartig; dieses Jahr war es sogar noch besser. Die Veranstaltung wurde extrem gut durchgeführt und die Auftritte waren hervorragend. Bei mir dreht sich immer noch alles. Was für ein Tag! Einer der eindrücklichsten Auftritte war der von Jake Shimabukuro. Bitte investiert 20 Minuten Eures Tages um sich diese Präsentation/Performance vollständig anzuschauen. Jake spielt einige Songs und teilt auch einige gute Geschichten mit uns. Dreht Eure Lautsprecher auf und bleibt bei diesem Auftritt; es wird immer besser, bis ganz zum Ende. Bemerkenswert.

Die Erwartungen der Menschen schlagen

Zitat von Jake ShimabukuroIm Leben haben Menschen oft keine hohe Meinung von Dir (oder von dem, was Du tust). Und das sogar bevor sie viel über Dich wissen. Sie haben Vorurteile. Aber statt Dich davon runter ziehen zu lassen, kannst Du diese Gelegenheit nutzen, um Ihre Erwartungen zu übertreffen und sie umzuhauen. Niedrige Erwartungen auszuhebeln kann manchmal ein Segen sein. Ich liebe Jake’s essentielle Aussage zu dieser Idee: «Eins der Dinge, die ich daran liebe, ein Ukulele-Spieler zu sein, ist es, dass – egal wo in der Welt ich spiele – das Publikum derart niedrige Erwartungen hat. [Das ist] sicher ein grosser Pluspunkt.»

Es gibt viele Lehren aus dieser Performance des Zen Meisters der Ukulele – über die reine Unterhaltung hinaus. Die Ukulele selbst so wie die, die sie so ausgezeichnet spielen wie Jake, verkörpern beides, einerseits die Anstrengung und andererseits die Inspiration und das Vergnügen, die davon kommen, anderer Leute niedrige Erwartungen an Dich zu übertreffen. Und das durch Deine eigene harte Arbeit, ungezügelte Leidenschaft und Hingabe an die Spitzenleistung. Wie bei der Ukulele, mögen einige Dich missverstehen oder Dich oder Dein Anliegen nicht ernst nehmen. Andere mögen Dir keine Chance geben oder Dich für zu unbedeutend, zu klein, zu jung, zu alt oder zu unangepasst halten. Wenige Menschen sehen die Ukulele als ernstzunehmendes Instrument. Und doch zeigt Jake uns, wie fehlgeleitet diese Art von Allgemeinwissen ist. Jake und seine Ukulele sind eine Inspiration.

Nackt zu spielen ist das beste

Alles, was Jake gestern in Tokyo mit auf der Bühne hatte, war seine Ukulele und sein Talent. Wie er bei dem älteren Auftritt unten erklärt (es ist ein fantastischer Auftritt von ungefähr 2007), hatte er früher alles mögliche Equipment bei sich, um Unmengen an Effekten spielen zu können. Die Zuschauer haben das geliebt. Aber er entschied sich, zurückzugehen zu den Grundlagen – in gewissem Sinne, sich wieder nackt zu machen – und all das wegzunehmen und zu sein, was er wirklich ist: Der Beste Ukulele-Spieler den Du jemals sehen wirst. Er ist ein unglaubliches Talent mit einer grossartigen Persönlichkeit, die sich wirklich in seiner Kunst zeigt.

Das Foto im Slide oben ist von Ryota Mori, das Slide selber von Garr Reynolds

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