Portraitworkshop «Available Light»

Franziska Am 21. April 2012 (inzwischen vor guten fünf Wochen) habe ich bei Barbara Hess (Twitter: @pictura / Web: http://www.pictura.ch/) an einem Portraitworkshop teilgenommen. Das Ziel des Workshops war es, zu lernen, wie man mit verfügbarem Licht arbeitet. Ich fand den Gedanken verführerisch, schöne Portraits ohne teure (oder besser: aufwendige) Studioblitzanlagen zu machen.

So gesehen konnte ich mich mit dem Ziel des Workshops identifizieren. Mein eigenes Ziel war allerdings ein anderes: Ich wollte einfach mal ein paar Stunden mit einem Model und unter fachkundiger Anleitung fotografieren. Dabei Stand das Kennenlernen meiner Kamera (einer Nikon D7000, die ich seit 1 ½ Jahren habe) und das Spielen mit Einstellungen und Motiven im Vordergrund.

Ich hatte wenige Wochen zuvor beschlossen, wieder mehr zu fotografieren. Das Arbeiten an und mit Bildern hilft (mir) enorm dabei meinen Blick, mein «ästhetisches Auge» zu schulen. Und das macht es leichter, Designentscheidungen zu treffen. Fotografieren ist also gut für jemanden, der Präsentationen entwirft – und es macht tierisch Spass. Der Workshop war für mich also ein erster Schritt zu mehr Fotografie.

Wie war’s?

Barbara hat für uns das nötige Umfeld geschaffen (Location, Licht, Model) und uns einfach fotografieren lassen. Dabei hat sie uns mit guten Tips, Ideen und Kritik in die richtige Richtung geführt. Sie hat uns gezeigt, wie sie Locations auswählt, was das besondere ausmacht. Auch wo man auf Schattenwurf achten muss und wie das Model geschminkt sein sollte waren Themen.

Und abschliessend haben wir einen kleinen Einblick in die digitale Nachbearbeitung bekommen. Unser Model Franziska (Twitter: @quantenlawine) hat einen sehr guten Job gemacht und war extrem geduldig mit uns.

Mein Fazit

Ich kann nicht sagen, dass der Workshop meine Erwartungen erfüllt hat. Das liegt aber nur daran, dass ich nicht so recht wusste, was ich erwarte. Es hat mir sehr viel Spass gemacht. Barbara ist ein sympathischer, ruhiger (zumindest im Workshop – ich habe den Verdacht, dass sie auch sehr «ausgeflippt» sein kann) und angenehmer Mensch. Sie versteht es, eine gute Atmosphäre sowohl für die sehr heterogene Gruppe der Fotografen (vom professionellen Partyfotografen bis zu mir) als auch für das Model zu schaffen. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern war auch sehr positiv. Kurz gefasst: Es war sehr lustig und lehrreich für mich.

Mein Fazit ist, dass ich sicher wieder einen Workshop bei Barbara machen würde und ich es auch jedem empfehle, der Spass an der Fotografie hat und an seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten arbeiten will.

Barbara hat in ihrem Blog einige sehr wertvolle Tips aus ihrem Workshop zur Portraitfotografie notiert (Portraitfotografie auf Barbaras Blog).

Drei Abschliessende Tips

Damit Ihr bei sowas möglichst viel Spass habt, solltet Ihr vorher drei Kleinigkeiten beachten:

  • – Ihr solltet vorher nachschauen, wie man den Autofokus-Modus Eurer Kamera verstellt oder wenigstens Fragen (Was ich Depp beides nicht gemacht habe, obwohl Barbara die gleiche Kamera hat.).
  • – Ihr solltet die Bilder – wenn möglich – im RAW-Format Eurer Kamera aufnehmen (hab ich natürlich auch nicht gemacht). Grade was die Nachbearbeitung angeht, habt Ihr damit viel mehr Möglichkeiten.
  • – Ihr solltet wissen, wie Ihr ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und Blende einstellt (das wusste ich immerhin).

So ein Workshop ist zwar auch eine gute Gelegenheit, die Kamera besser kennen zu lernen, aber es hilft, zumindest die Grundlagen der Bedienung vorher schon im Griff zu haben.

Nachtrag

Portrait Boris BäslerInzwischen habe ich eine (einfache) Studioblitzanlage. Grade für Portraits, die im beruflichen Umfeld gebraucht werden, ist es gut, die Belichtungssituation halbwegs im Griff zu haben. Neben Bildern eines Freundes, die er für seinen Job brauchte, habe ich am vergangenen Wochenende Selbstportraits gemacht.

Das ist in jeglicher Hinsicht eine Herausforderung:

  • – Bin ich überhaupt im Bild? Wie ist die Komposition?
  • – Jetzt bin ich in der richtigen Pose, aber sieht das auf dem Bild dann auch halbwegs aus?
  • – Ich stehe richtig, aber so kann ich mit der Fernbedienung nicht auslösen.
  • – Seh’ ich echt so aus? Ich seh’ doch nicht so aus?

Aber was die grösste Herausforderung war: Nicht elendiglich bei einem Lachanfall zu ersticken, weil die geschossenen Bilder auf einem Bildschirm hinter der Kamera erschienen. Immerhin ist dabei ein Bild mit einem echten Lachen entstanden.

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Zen oder die Kunst der Präsentation – 2. Auflage

Zen oder die Kunst der Präsentation - Zweite AusgabeAm 28. März 2012 ist die zweite (überarbeitete) Ausgabe von Garr Reynolds' (Twitter: @presentationzen – Blog: presentationzen.com) Zen oder die Kunst der Präsentation erschienen. Es ist die deutschen Ausgabe von Presentation Zen.

Die englische Ausgabe habe ich bereits im Dezember erhalten und gelesen. Für mein Review wollte ich aber auf die Verfügbarkeit der deutschen Ausgabe warten. In der Folge könnt Ihr lesen, was neu ist, was geblieben ist und ob es sich lohnt, die zweite Ausgabe zu kaufen.

Was ist neu?

Wenn man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut, fallen zwei Dinge auf: Zum einen hat die zweite Ausgabe rund 70 Seiten mehr, was auch schon auffällt bevor man das Buch aufschlägt. Und zum anderen gibt es ein vollständig neues Kapitel «Engagement ist notwendig» zum Thema Vortrag.

Garr hat wirklich alles überarbeitet; an einigen Stellen Formulierungen verbessert, an anderen die Inhalte aktualisiert und erweitert (auch im Bereich Präsentationen hat sich seit der ersten Ausgabe von Anfang 2008 einiges getan). Und natürlich gibt es neue Beispiele, Studien und Gastbeiträge.

Zum neuen Kapitel «Engagement ist notwendig» sei zunächst angemerkt, dass die Übersetzung ins Deutsche etwas holprig ist (wie bei so vielen Übersetzungen). Es geht nämlich darum, aus passiven Zuhörern und Zuschauern mehr zu machen – nämlich aktive Teilnehmer.

Und dabei helfen uns Emotionen. Sie integrieren die Teilnehmer, machen sie zu einem Teil unseres Vortrages.

Dazu brauchen wir einerseits unsere authentischen Emotionen (nichts wirkt unglaubwürdiger als gespielte Begeisterung). Andererseits müssen wir auch die Emotionen unserer Teilnehmer wecken. Garr beschreibt hier sehr gut, wie wir ein Gemeinsamkeitsgefühl finden, welche einfachen Ideen dabei helfen, die Lücke zwischen Präsentierendem und Publikum zu schliessen.

Dieser Bereich ist besonders für die IT-Branche (in der ich arbeite) und für die Deutschsprachigen (was ich bin) schwierig. Wir «wissen», dass nur harte Fakten zählen und Emotionen generell unprofessionell sind. Professionell oder nicht: Gefühle sind der beste Weg, näher zu unserem Publikum zu kommen, es zu erreichen.

Was ist geblieben?

Zen oder die Kunst der Präsentation ist meiner Meinung nach immer noch das Standardwerk für den Einstieg in die Welt der besseren Präsentationen. Durch die Erweiterungen ist es aber vollständiger, runder geworden.

Garr führt uns durch die wesentlichen Schritte für eine gute Präsentation: Die Vorbereitung, das Design und den Vortrag.

Der Aufbau ist wie gehabt: Nach einer allgemeinen Einleitung geht es zunächst um die Vorbereitung und Planung, dann um das Design der visuellen Hilfen (Folien) und zum Schluss um den Vortrag selber.

Das Buch ist immer noch ein hervorragendes Beispiel für liebevolles Design. Und auch der Inhalt des Buches bleibt hochwertig: Dank eines roten Fadens und vieler klarer Beispiele versteht man die Gedanken und Ideen sehr gut. Es fällt leicht, diese in eigenen Präsentationen anzuwenden.

Und wie ist die zweite Auflage so?

Ich persönlich war schon von der ersten Auflage begeistert und habe sie als «Handout» für meine Workshops und Coachings verwendet. Ausserdem habe ich sie häufig an Freunde, Arbeitskollegen und Kunden verschenkt (Vorsicht, unkommentiert kann das als Kritik aufgefasst werden!). Insgesamt habe ich sicher so um die 200 Exemplare (Englisch, Deutsch und Französisch) der ersten Auflage gekauft und weitergegeben. Man könnte also sagen, dass ich überzeugt bin.

Garr hat es tatsächlich geschafft, dass die zweite Auflage runder, vollständiger ist. Nach dem Lesen der zweiten Auflage, fehlt mir in der ersten was.

Oder um es kurz zusammen zu fassen: Die zweite Auflage ist eine verbesserte Version einer bereits hervorragenden ersten Auflage.

Soll ich es kaufen?

Wer besser (und anders) präsentieren will, neue Ideen sucht und bereit ist, vom normalen «Death by PowerPoint» abzuweichen, für den ist dieses Buch der ideale Einstieg. Aber Vorsicht: Nach dem Lesen des Buches können Folgekosten entstehen, weil man plötzlich den Bedarf für weitere Bücher von Garr, Nancy Duarte, den Heath-Brüdern oder John Medina entwickelt (siehe Buchempfehlungen in der rechten Spalte).

Wer sich nicht für Präsentationen interessiert und nicht an seinen arbeiten will … der liest das hier wohl eh nicht.

Wer auf der Suche nach einer Anleitung zu PowerPoint (oder Keynote) und all den coolen Animationen ist, für den gilt: Kaufe dieses Buch! Es liefert keinerlei Anleitungen zu diesen Themen, aber es erklärt, warum man diese nicht oder nur sehr spartanisch braucht.

Wer die erste Auflage gelesen hat und das Buch seitdem im Schrank stehen hat, für den gilt: Um es nicht zu lesen, lohnt sich die Investition nicht. Aber es kann ein willkommener Anlass sein, die Ideen mal wieder aufzufrischen.

Wer die erste Auflage – so wie ich – immer mal wieder in den Händen hat, dem sei die zweite Auflage ans Herz gelegt. Mit dem zusätzlichen Kapitel und den vielen kleinen Ergänzungen ist die zweite Auflage definitiv ein Fortschritt und die Investition lohnt sich.

Warnung für Kindle-Benutzer

Die Version für den Kindle von Anfang 2012 ist immer noch die erste Auflage (zumindest war das Mitte April 2012 so). Die ist zwar auch schon ok (das Design ist auf dem Kindle naturgemäss wesentlich schwächer), aber ich würde doch eher noch einen Moment warten und dann die zweite Auflage kaufen – oder für sechs Euro mehr die Papierauflage kaufen.

Allerdings kann man hier bei Addison-Wesley das eBook (oder eine Kombination aus eBook und Papierversion) bestellen. Wichtig ist dabei aber, dass sie sie unter eBook folgendes verstehen: Eine PDF-Datei und die Möglichkeit zum Online-Lesen. Wer es also offline auf iPad oder Kindle lesen will: Es geht zwar mit dem PDF, ist aber nicht optimal.

Ein (englischsprachiges) Review der (englischsprachigen) Second Edition von presentation zen findet Ihr übrigens auf Dirk Hauns (Twitter: @dirkhaun) Blog The Mobile Presenter.
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Warum überhaupt «besser Präsentieren»?

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum man an Soft Skills wie dem Präsentieren arbeiten sollte. Reicht es nicht, im eigenen Fachgebiet gut zu sein, grossartige Ideen zuhaben? Sollte eine gute Idee, gute Arbeit nicht für sich sprechen?

Um es kurz zu machen: Ja, das sollten sie. Und nein, das tun sie in der Regel nicht.

Meine Erfahrung

Ich arbeite seit rund 17 Jahren in der EDV. Als ich in den 90ern angefangen habe, kam gleichzeitig PowerPoint als Präsentationswerkzeug auf. Ich erinnere mich an einige Gelegenheiten, bei denen ein Berater zu uns kam, der uns den grössten Unsinn verkaufen wollte. Und ich sass in diesen Präsentationen und dachte mir: «Das sieht nett aus und die Effekte im PowerPoint sind irgendwie cool. Aber inhaltlich ist das doch ziemlicher Unsinn.» Und dann wurde das Produkt/die Dienstleistung gekauft.

Ist Präsentieren nur Werbung?Mehrere solche Erlebnisse haben bei mir den Eindruck gefestigt, dass Präsentationen nur schöne Verpackungen für Mist sind. Und wann immer mir jemand vorgeschlagen hat, mich doch mal mit Präsentationen oder PowerPoint zu beschäftigen, habe ich dankend abgelehnt. Schliesslich kann ich ja «was Richtiges» und will gar keinen Mist verkaufen. Also brauche ich auch nicht diese «Beraterfähigkeiten».

Ungefähr zur selben Zeit fing ich an, meine grossartigen Ideen meinen Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Kunden vorzustellen – meist, indem ich bei einem Kaffee ungebremst und ungeplant auf sie eingeredet habe. Aber nur selten hat sich jemand für diese Ideen begeistern können. Das lag sicher bei vielen dieser Ideen daran, dass sie alles andere als grossartig waren – aber nicht bei allen. So habe ich mal eine Projektidee allen möglichen Leuten gezeigt und erst nach drei Jahren kam ein «Ach so, so meinst Du das. Das ist wirklich eine gute Idee. Wir machen das.» von jemandem, dem ich das Ganze schon öfter erklärt hatte.

Ich war also in einem Dilemma: Auf der einen Seite waren da die verhassten Berater, die Mist als Gold verkaufen konnten und auf der anderen Seite war ich, dessen Präsentationsversuche regelmässig damit endeten, dass sein Gold als Mist verstanden wurde. Und da dämmerte es mir: Eine gute Verpackung ist auch für gute Ideen/gute Arbeit viel besser als eine schlechte. Nicht ohne Grund investieren Unternehmen heute viel Geld und Zeit in das Verpackungsdesign für ihre Produkte.

Ich habe angefangen, an meinen Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten zu arbeiten. Jetzt stand der Gesprächspartner/das Publikum im Mittelpunkt. Wo steht mein Zuhörer? Wie kann ich meine Idee so vermitteln, dass mein Gegenüber sie versteht? Wie kann ich die Vorteile so vermitteln, dass der andere sieht, wo der Vorteil für ihn liegt? Was ist denn eigentlich meine Kernaussage? Und hey, diese Kernaussage hängt von meinem Publikum ab. Verdammt, das wird ja alles sehr kompliziert.

Und tatsächlich investiere ich heute sehr viel mehr Zeit und Energie darin, eine Präsentation zu planen und zu entwickeln als vor 15 Jahre. Aber das wirklich Wesentliche ist, dass die Stunden oder Tage Vorbereitung dazu führen, dass ich meine Ideen nicht mehr über drei Jahre immer und immer wieder präsentieren muss. Heute mache ich das einmal und bekomme eine Rückmeldung. Und sei das nur, dass die Idee totaler Blödsinn ist.

Klar, wenn man eine Präsentation als eine Zeit ansieht, in der man irgendwo steht und reden muss, ist es zweifelhaft, ob man für 15 Minuten reden zwei oder mehr Tage Vorbereitung investieren sollte. Bei meinen Kunden ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass sie in diesen 15 Minuten einen Partner, Investor oder Kunden überzeugen wollen, viel Aufwand, Geld oder Vertrauen in ein Projekt, ein Produkt oder das Unternehmen zu investieren. Und wenn man die drei Tage Vorbereitung nicht als Investition in 15 Minuten reden ansieht, sondern als Investition in die Zukunft einer Idee, eines Projektes oder sogar eines Unternehmens, ist das doch ein verschwindend geringer Aufwand.

Warum also «besser Präsentieren»?

Besser Präsentieren – mehr ErreichenAus meiner Erfahrung ist das sehr einfach: Wer besser präsentiert, erreicht mehr als jemand, der genauso gut ist, aber schlechter Präsentiert. Mit dem nötigen Wissen und Übung wird es leichter, andere von einem gemeinsamen Ziel zu überzeugen. Statt also auf der eigenen Idee zu sitzen und zu hoffen, dass endlich mal jemand versteht, wie gut sie doch ist, kann man raus gehen und aktiv Partner finden.

Und was können wir machen um besser zu präsentieren? Das Buch «Presentation Zen» (auf Deutsch «Zen oder die Kunst zu präsentieren») von Garr Reynolds ist ein guter Einstieg in die Materie. Findet Gleichgesinnte, mit denen Ihr gemeinsam üben und Euch austauschen könnt. Überzeugt Eure Vorgesetzten, einen Präsentationstrainer/-coach ins Haus zu holen oder eine Gruppe von Mitarbeitern auf einen Kurs zu schicken.

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Wie zitiere ich in Präsentationen

Ash fordert uns per Twitter zum ReviewVor nicht allzu langer Zeit hat Dr. Ashley Casey von der Universität Bedfordshire uns per Twitter aufgefordert, ihm Feedback zu den Slides eines seiner Vorträge auf Slideshare zu geben. Ich habe Ash in Paris bei einem Seminar von Garr Reynolds kennen gelernt und ich bewundere ihn, weil er in seinem Arbeitsbereich (Sportunterricht – im Physical Education Practitioner Research Network) etwas verändert, neue Wege beschreitet. Also habe ich mir die Zeit genommen und seine Folien angeschaut.

Und neben all dem Positiven ist mir eine Sache aufgefallen: Da waren Folien mit Zitaten aus Bewertungsbögen. Und diese Zitate waren sehr lang; wirklich lang. Eine Folie mit hundert Wörtern stellt ein Problem dar. Und als ich Ash das geschrieben hat, hat er mich logischerweise gefragt, wie man das meiner Meinung nach besser machen könnte. Insbesondere dann, wenn man ein Zitat nicht kürzen darf, kann oder will. Darauf hatte ich spontan erstmal keine Antwort, aber ich habe darüber nachgedacht. Und hier sind nun meine Gedanken dazu.

Wo ist das Problem?

Folie von Dr. Ashley Casey mit langem ZitatViel Text auf einer Folie ist schwierig. Die Schrift wird kleiner, von weiter hinten schwerer zu lesen. Ich muss mich entscheiden, ob ich den Text vorlese oder mein Publikum lesen lasse. Lese ich vor, wirke ich irgendwie komisch. Jeder denkt «Das kann ich selbst aber besser lesen.». Und die meisten machen das dann auch. Sie lesen und hören gleichzeitig und nehmen die Information erst richtig auf, wenn sie Gehörtes und Gelesenes «synchronisiert» haben. Da wird das Verstehen schwieriger.

Lasse ich dagegen das Publikum alleine Lesen, habe ich ein anderes Problem: Menschen lesen unterschiedlich schnell. Der eine liest sehr schnell und verkürzt sich dann die Wartezeit, indem er schnell auf dem Smartphone schaut, was sich auf Twitter oder im Posteingang tut. Der andere ist so langsam, dass ihm noch die letzten fünf Wörter fehlen, wenn ich weitermache. In beiden Fällen habe ich Probleme, wieder die volle Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wie man es auch dreht und wendet: Es ist schwierig mit solchen Zitaten/Texten umzugehen. Der einfachste Lösungsansatz wäre es, das Zitat auf 10, 15 Wörter zu kürzen. Manchmal kann man das nicht, weil es denn Sinn verfälschen würde. Manchmal darf man es nicht, weil der Zitierte darauf besteht, genau so – in diesen Worten und ohne Kürzungen – zitiert zu werden. Und manchmal will man ein Zitat einfach nicht kürzen, weil es gut ist – genau so wie es ist. Was kann man also machen?

Generell sollte der Text des Zitats eher im Handout als auf einer Folie landen. Die Teilnehmer können es dann zuhause nachlesen und müssen es aber nicht während des Vortrags sehen/lesen.

Lösungsansatz 1: Vorlesen ohne Folie

Folie Vorlesen von ZitatenDie technisch einfachste Lösung ist es, das Zitat von einem Blatt Papier abzulesen, statt es auf der Folie zu zeigen. Hat man zum Beispiel einen Evaluationsbogen, kann man direkt vom Original ablesen. Dadurch verhindert man einerseits, dass man dämlich aussieht, weil man das vorliest, was die Zuschauer auch selbst lesen könnten. Und andererseits ist das Problem der unterschiedlichen Lesegeschwindigkeit weg. Auf einer Folie kann man ein Bild der zitierten Person, eventuell Name, Funktion, Alter, … zeigen. Und falls man das Gefühl hat, dass das Zitat aber auf der Folie erscheinen muss: Den Text erst nach dem Vorlesen einblenden!

Dabei bleibt aber das Problem bestehen, dass man etwas vorliest. Dadurch verliert man den (Blick–)Kontakt zu den Teilnehmern.

Lösungsansatz 2: Audio

Folie OrginaltonDer zweite Lösungsansatz ist, zu der Folie mit einem Bild, oder den Daten der zitierten Person einen Audioclip mit dem Zitat einzuspielen. Idealerweise ein Audioclip von dieser Person. Wenn man zum Beispiel aus einem Interview zitiert, ist da vielleicht noch die Audiodatei, die aufgezeichnet wurde. Ist es etwas, was jemand zum Beispiel in einem Youtube Video sagt, kann man den Ton extrahieren. Oder man ruft den zitierten an – bittet um Erlaubnis – und zeichnet das Zitat nochmals auf.

Ist all das nicht möglich, kann man auch Aufzeichnen, wenn jemand anderes das Zitat vorliest. Wichtig: Es wäre verwirrend, wenn eine tiefe, männliche Stimme (Vincent Price) ein Zitat eines weiblichen Teenagers vorträgt – und umgekehrt.

Lösungsansatz 3: Video

Folie VideoEs ist heute problemlos möglich, einen Videoclip in eine Präsentation einzubinden. Wenn also ein Video besteht: Rein damit! Das ist dann eine willkommene Abwechslung. Und wenn kein Video besteht: Warum nicht eins machen? Je nach Budget und Wichtigkeit der Präsentation kann es sich lohnen, jemanden zu besuchen, um das Zitat noch im Video festzuhalten und dann zu verwenden.

Videos sind (noch) nicht Mainstream. Durch sinnvoll (!) eingebettete Videos kann man sich von der Masse abheben, zusätzliches Interesse gewinnen. Ausserdem ist es etwas anderes, wenn ich sage «Der CEO eines Fortune-500 Unternehmens ist unglaublich glücklich, mit unserer Idee zu arbeiten.» als wenn dieser CEO per Video erscheint und selbst sagt, dass er in seinem ganzen Leben noch nie so glücklich war …

Achtung bei Multimedia!

So gut Audio und Video auch sind um Zitate einzubetten, ist dennoch Vorsicht geboten: Wir müssen vor der Präsentation sicherstellen, dass das Publikum über die Audioanlage auch wirklich alles hört. Manche Anlage ist für die Grösse des Raums unterdimensioniert, an andere kriegt man sein Notebook erst nach einem Doktortitel in Elementarphysik angeschlossen und häufig gibt es schlicht keine Audioanlage. Also erst abklären, bevor man sich für diese Optionen entscheidet.

Und wie bei jeder Technik: Alternativen vorbereiten. Was machen wir wenn die Audioanlage ausfällt? Was machen wir, wenn der Beamer ausfällt?

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Buchreview: «The Leader’s Dilemma» von Hope, Bunce und Röösli

Buchcover: The Leader’s DilemmaDas Buch «The Leader’s Dilemma» von Jeremy Hope, Peter Bunce und Franz Röösli hat mich sehr inspiriert. Dennoch habe ich lange überlegt, ob ich das Review hier veröffentlichen soll. Schliesslich hat Managementliteratur (vordergründig) herzlich wenig mit Präsentationen zu tun.

Den Autoren geht es darum, dass erfolgreiches Management sehr viel mehr bedeutet als nur Budgets aufzustellen und das Unternehmen so zu steuern, dass die Budgets eingehalten werden. Und wenn man – so wie ich – seit vielen Jahren in, für und mit grossen Organisationen arbeitet, weiss man diesen Ansatz zu schätzen. Man weiss, wie viel inspirierender und motivierender es ist, für eine «Führungskraft» zu arbeiten, statt für einen Buchhalter. Man weiss, dass es in vielen Organisationen schwer oder unmöglich ist, sinnvolle Entscheidungen zu treffen, wenn diese der Budgetplanung widersprechen. Und man weiss, dass dieser Zustand frustrierend und lähmend auf die Individuen und die ganze Organisation wirken kann.

Aus diesem Grund halte ich das Buch für so wichtig, dass ich es Euch hier quasi Off-Topic vorstellen will. Die drei Autoren können in Summe auf über 30 Jahre Erfahrung in Beratung und Forschung zurückblicken. Sie forschen – gemeinsam mit vielen anderen – um die Prinzipien zu finden, die besonders erfolgreichen Unternehmen zu diesem Erfolg verholfen haben. Und auf Basis dieser Forschungsergebnisse Unterstützen sie andere Unternehmen dabei, sich an diesen Grundsätzen zu orientieren, ihre eigenen Erfolgsgeschichten zu schreiben.

Zwölf Prinzipien

Das Buch beschreibt zwölf Prinzipien, die dabei unterstützen, dem eigenen Unternehmen zu nachhaltigem Erfolg zu verhelfen:

  • Werte (Values): Verpflichte die Mitarbeiter gemeinsamen Werten statt einem zentralen Plan.
  • Führung (Governance): Führe das Unternehmen durch gemeinsame Werte und fundierte Entscheidungen, nicht durch Regeln und Vorschriften
  • Transparenz (Transparency): Mache Informationen offen und transparent verfügbar, beschränke und kontrolliere den Zugriff nicht
  • Teams: Organisiere Dein Unternehmen als Netzwerk eigenverantwortlicher Teams, nicht um zentrale Funktionen.
  • Vertrauen (Trust): Vertraue auf die Selbstregulierung und Optimierung der Teams, versuche nicht, sie zu mikro-managen.
  • Verantwortlichkeit (Accountability): Stütze Verantwortlichkeiten auf ganzheitliche Kriterien und Ergebnisse von Peer-Reviews, nicht auf hierarchische Beziehungen.
  • Ziele (Goals): Setze ambitionierte mittelfristige Ziele statt fixierter kurzfristiger Vorgaben.
  • Entlohnung (Rewards): Basiere die erfolgsabhängigen Vergütungsanteile auf relative Leistungen statt auf fixierte Vorgaben.
  • Planung (Planning): Mach die Planung zu einem kontinuierlichen und einbeziehenden Prozess, nicht zu einer jährlichen Vorgabe von oben.
  • Koordination (Coordination): Koordiniere das Zusammenspiel im Unternehmen dynamisch, nicht durch eine jährliche Budgetverteilung.
  • Ressourcen (Resources): Mache benötigte Ressourcen Just-In-Time verfügbar, nicht «nur für den Fall».
  • Steuerung (Control): Begründe die Steuerung auf schnellem, regelmässigem Feedback statt auf Abweichungen von Planzahlen.

Aufbau der Kapitel

Der Aufbau der Kapitel hat mir besonders gut gefallen. Zu jedem Prinzip ist eingangs ein Beispiel eines erfolgreichen Unternehmens dargestellt, für das dieses Prinzip zu einem «Alleinstellungsmerkmal» wurde. Danach wird das Prinzip, seine Wirkung und die Umsetzung beschrieben. Auch hier finden sich wieder viele anschauliche Praxisbeispiele. Dann kommt der wichtigste Teil: Die Autoren beschreiben, wie das Prinzip in einem Unternehmen umgesetzt werden kann. Dabei wird auch auf Stolpersteine hingewiesen. Abschliessend sind die wichtigsten Punkte des Kapitels nochmals auf ein bis zwei Seiten zusammengefasst. Diese Zusammenfassung ist wertvoll, wenn man die Inhalte nach einiger Zeit wieder schnell auffrischen will.

Fazit zum Buch

Ich weiss, dass ich sehr gerne in oder für eine Organisation arbeiten würde, die all die beschriebenen Prinzipien umgesetzt und verinnerlicht hat. Alleine schon aus diesem Grund kann ich das Buch jedem Manager und Unternehmer nur empfehlen. Dabei ist es völlig egal, ob ein Unternehmen 100 oder 100’000 Mitarbeiter hat. Die hier beschriebenen Prinzipien stellen einen Denkanstoss dar, von dem jeder nur profitieren kann.

Und warum brauchen wir frisches Denken im Management?

Hier eine kleine (und wahrscheinlich erfundene) Anekdote, die recht eindrücklich zeigt, welches Risiko eine reine Kostenrechnung im Management darstellt.

«Der CFO eines Unternehmens fragt den CEO: ‹Was passiert, wenn wir in die Entwicklung unserer Mitarbeiter investieren und diese verlassen uns dann im nächsten Jahr?›, worauf der CEO antwortet: ‹Und was passiert, wenn wir es nicht machen und die Mitarbeiter bleiben?›»

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