Was uns Chi Running für unsere Vorträge lehrt

Cover des Buches Chi Running von Danny & katherine DreyerSeit einigen Monaten vermeide ich Verletzungen und Schmerzen beim Laufen, indem ich Chi Running praktiziere (ChiRunning: Die sanfte Revolution der Laufschule). Der Autor Danny Dreyer rät dazu, die gelernten Dinge im ganzen Leben anzuwenden. Und von Garr Reynolds (Presentation Zen) habe ich gelernt, überall Lehren rund um Präsentation und Vortrag zu suchen.

Chi Running lehrt uns, natürlich zu laufen, so dass wir uns nicht verletzen und mit weniger Anstrengung trainieren können. Und genau das wollen wir doch auch bei Präsentationen und Vorträgen erreichen: Wir wollen natürlich Vortragen, ohne Anspannung und Anstrengung. Die grundlegenden Fähigkeiten für Chi Running werde ich im Folgenden kurz erläutern und den Bezug zur Präsentation herstellen. Diese Fähigkeiten sind auch die Basis für Tai Chi.

Den Geist fokussieren

Beim Chi Running macht der Geist die meiste Arbeit. Er blendet das Geplapper und die Störungen um uns herum aus, so dass wir uns voll und ganz auf unseren Körper konzentrieren können. Wir spüren unsere Bewegung. Wir steuern unsere Bewegung und wir spüren die Veränderungen.

Auch wenn wir Präsentieren, müssen wir ganz im Augenblick sein. Unser Geist ist auf das Publikum und unsere Ziele fokussiert. Wir präsentieren, wir spüren die Veränderungen im Publikum, wir passen unseren Vortrag an und wir spüren wieder die Veränderung. Mit diesem Einfühlungsvermögen sind wir in der Lage, unser Publikum zu erreichen.

Wenn wir bei einer Präsentation mit unseren Gedanken abschweifen, nicht im hier und jetzt sind, sind wir nicht in der Lage, die Situation zu spüren und bewusst zu steuern. Bei den Übungen zum Chi Running und beim Laufen selber lernen wir, uns zu konzentrieren. Wir blenden äussere Einflüsse aus. Wir sind im Augenblick. So kann uns das Laufen für den Vortrag vorbereiten.

Den Körper spüren: Der schnelle Zugang

Wir lernen, unseren Körper zu spüren. Es gibt Übungen, die uns dabei helfen, den Körper wirklich wahrzunehmen und Veränderungen zu bemerken. Jedesmal, wenn wir Laufen, trainieren wir diese Fähigkeit. Wenn etwas nicht rund läuft, stellen wir das schnell fest und können es korrigieren.

Um darin wirklich gut zu werden, sind wir auch auf externes Feedback angewiesen. Wir sehen unsere Körperhaltung im Spiegel, sehen die Bewegung in einem Video, werden von einem Coach beraten. Das Feedback gibt uns die Möglichkeit, unsere eigene Wahrnehmung zu verbessern.

Ähnlich sieht es bei Präsentationen aus. Eine Videoaufzeichnung zeigt uns unsere Schwächen und unsere Stärken. Bisher habe ich zum Beispiel noch niemanden erlebt, der wirklich so nervös wirkte, wie er sich fühlte. Und auch hier ist Training und Feedback wichtig. Wir können uns außerhalb des Alltags treffen und zum Beispiel bei einer Pecha Kucha Night Vorträge halten und damit ohne «Gefahr» üben und wertvolles Feedback von anderen erfahrenen Sprechern bekommen.

Auch die drei Schritte zu einem besseren Körpergefühl kommen uns bei einem Vortrag entgegen:

  • Höre sorgfältig zu: Immer wenn Du eine kleine Anpassung machst, höre auf jede noch so kleine Veränderung. Wie bewegt sich Dein Körper, wie fühlt es sich an?
  • Bewerte die Informationen: Frage Dich, ob Dein Körper sich wie gewünscht bewegt. Tu Dein Bestes um festzustellen, ob die Strategie wirkt oder nicht. Wenn sie funktioniert: Merke Dir, wie es sich anfühlt und wie Du es erreicht hast.
  • Mache kleine Anpassungen: Statt alles über den Haufen zu werfen, mache nur kleine Anpassungen und beobachte wie sie wirken – auf Dich und andere. Wenn Du zu viel änderst, ist es schwer, Ursache und Wirkung zusammen zu halten.

Atmen: Dein Chi anzapfen

Koi mit Luftblasen und offenem MaulAtmen ist eine Fähigkeit, die Kern vieler fernöstlicher Disziplinen ist, wie Yoga, Tantra, Chi Gong oder Meditation. Wer diesen Text liest, atmet wohl auch. Aber wenn wir falsch atmen, reagiert unser Körper mit Unsicherheiten bis zu Angst. Die Angst zu ersticken, nicht mithalten zu können, nicht gut genug zu sein, sich zu blamieren …

Eine ruhige und entspannte Atmung hilft uns, uns beim Training und im Wettkampf sicher zu fühlen. Wir haben mehr Selbstsicherheit und mehr Selbstvertrauen. Das kann uns über große Hürden helfen, uns Leistungen ermöglichen, die wir mal für unmöglich gehalten haben.

Richtiges Atmen während eines Vortrages gibt uns Ruhe und Selbstsicherheit. Die folgenden Punkte können sich negativ auf unsere Atmung bei einem Vortrag auswirken: Flache Atmung, Anspannung oder ein üppiges Mahl direkt vor dem Auftritt. Das Essen können wir einfach vermeiden. Wenn wir bewusst tief in den Bauch atmen, verhindern wir damit eine flache Atmung. Und wenn wir angespannt sind, müssen wir uns einfach nur entspannen.

Entspannung: Der Weg des geringsten Widerstands

Meditation bei SonnenuntergangChi Running lehrt uns, unsere Muskeln zu entspannen, so dass Bewegung einfach stattfindet. Angespannte, verspannte Muskeln hindern uns eher daran, uns gut zu bewegen, als dass sie uns dabei helfen.

Die wichtigsten Schritte zu mehr Entspannung sind Fokus, Körpergefühl und Atmung. Wenn wir uns auf unseren Körper konzentrieren, fühlen, wo wir verspannt sind, können wir unseren Fokus darauf legen, diese Körperteile zu entspannen. So entspannen wir unseren Körper nach und nach.

Auch wenn wir vortragen, ist Entspannung wichtig. Sind wir angespannt, leidet die Natürlichkeit unseres Vortrags darunter. So wird es schwer, sich sicher zu fühlen und im Augenblick zu sein. Es hilft, wenn man vor einer Präsentation/einem Vortrag eine Routine hat. Das kann eine stille Meditation sein, eine Viertelstunde Hardrock vom iPod oder Stretching – einfach irgend etwas, das uns entspannt. Dabei ist es vollkommen egal, was andere von dieser Routine halten, ob sie komisch wirkt.

Mir persönlich hat das Buch Chi Running von Danny Dreyer in vielerlei Hinsicht geholfen. Neben dem schmerzfreien Laufen habe ich viel für mein Arbeits- und Privatleben mitnehmen können. Und das eben auch für Vorträge und Präsentationen.

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